
Cotton Queen
Deutschland, Frankreich, Palästinia, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien 2025, Laufzeit: 94 Min.
Regie: Suzannah Mirghani
Darsteller: Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Farid
Coming-of-Age-Drama
Kampf um Selbstbestimmung
„Cotton Queen“ von Suzannah Mirghani
Was braucht es, um ein über Generationen aufrecht erhaltenes System der Unterdrückung zu verlassen? Diese Frage stellt die sudanesisch-russische Regisseurin Suzannah Mirghani in ihrem Langfilmdebüt. Darin ist die 15-jährige Nafisa (Mihad Murtada) im Sudan gefangen zwischen den Erwartungen ihrer Eltern und ihrer Großmutter Al-Sit (Rabha Mohamed Mahmoud): Beide Seiten wollen sie gegen ihren Willen mit älteren Männern verheiraten. Dass Nafisa eigentlich in einen Jungen aus dem Dorf verliebt ist, interessiert niemanden.
In farbintensiven Bildern (Kamera: Frida Marzouk) fängt Mirghani Nafisas Leben auf der Baumwollplantage ihrer Großmutter ein. Als Matriarchin herrscht Al-Sit mit strenger Hand über den Anbau und die Ernte des kostbaren „weißen Golds“. Ihre wichtigste Überzeugung: Um die Baumwolle rein zu halten, müssen die Mädchen, die sie pflücken, ebenfalls rein sein. Al-Sit hat deshalb genaue Vorstellungen zu Nafisas Leben – auch, weil sie selbst in ihrer Jugend zwangsverheiratet wurde. Doch Nafisa nimmt das nicht einfach hin und rebelliert zunächst im Kleinen: Immer wieder badet sie gemeinsam mit ihren Freundinnen im Nil – obwohl ihre Großmutter den Fluss für unrein hält und es ihr ausdrücklich verbietet. Als mit Nadir (Hassan Kassala) ein sudanesischstämmiger Geschäftsmann aus dem Ausland auftaucht und das Dorf von genetisch veränderter Baumwolle überzeugen möchte, greift Nafisa schließlich zu drastischen Mitteln, um ihre Freiheit zu sichern.
Mirghani interessiert sich für Nafisas Leben nicht nur als Einzelfall – vielmehr nutzt sie ihre Geschichte, um gesellschaftliche Fragen zu verhandeln. So spricht sie in „Cotton Queen“ etwa auch die traditionelle weibliche Genitalverstümmelung an. Mirghani baut ihre Kritik dazu klug in ein Puppenspiel ein, das Nafisa auf dem Marktplatz beobachtet. „Also willst du mich verletzen, damit Männer mich nicht verletzen können?“, klagt eine Enkelin darin ihre Großmutter an.
Zugleich formuliert Mirghani eine deutliche Kritik an der Kolonialgeschichte im Sudan und deren verheerenden Folgen. Al-Sit wurde als 15-Jährige an einen englischen General verheiratet – heute erzählt sie den Kindern des Dorfes regelmäßig die Geschichte davon, wie sie „das Monster“ töten musste, um selbst zu überleben. Nafisa sitzt dabei an ihrer Seite und spritzt Granatapfelsaft als künstliches Blut auf die Kinder.
„Cotton Queen“ prangert nicht nur Missstände an. Vielmehr legt Mirghani den Fokus darauf, wie es Nafisa Stück für Stück gelingt, sich von der engen Schlinge der Tradition zu befreien – und den ersten Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft zu gehen. So entsteht eine Geschichte voller Hoffnung im Spannungsfeld zwischen Zartheit und Radikalität.

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