
Blau ist eine warme Farbe
Frankreich 2013, Laufzeit: 179 Min., FSK 16
Regie: Abdellatif Kechiche
Darsteller: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche
>> blauisteinewarmefarbe.de
Intensive Coming of Age-Geschichte
Auf den ersten Blick
„Blau ist eine warme Farbe“ von Abdellatif Kechiche
Noch bevor Anfang 2014 Lars von Trier mit seinem lang erwarteten „Nymphomaniac“ die Möglichkeiten der Darstellung von Sex im Kinofilm ausloten wird, hat Abdellatif Kechiche („Couscous mit Fisch“) mit „Blau ist eine warme Farbe“ die Messlatte nach oben gelegt. Doch die langen und expliziten Sexszenen in seinem neuen Film sollten eigentlich kein Aufhänger für eine Rezension sein und auch nicht die Tatsache, dass Kechiche zwei junge Frauen beim Entdecken ihrer Lust beobachtet. Denn „Blau ist eine warme Farbe“ ist natürlich kein Porno. Es ist auch kein Sozialdrama über ein Coming Out. Es ist ein Film über die Liebe.
Für die Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist es die erste große Liebe. Ihre ersten Erfahrungen hat sie zwar gerade mit Thomas gemacht. Im Vergleich zur unmittelbaren Idee der Liebe auf den ersten Blick, die die Literatur begeisterte Adèle gerade in der Schule diskutiert, ist das aber in keiner Hinsicht befriedigend. Doch als sich kurz darauf auf der Straße ihr Blick mit dem der Kunststudentin Emma (Léa Seydoux) trifft, erlebt sie genau das: Liebe auf den ersten Blick! Bald darauf sieht Adèle die Studentin mit blau gefärbten Haaren zufällig wieder und schließlich werden sie ein Paar. An der Schule bekommt sie deswegen Probleme, ihren Eltern erzählt sie erst gar nicht von der Beziehung. Der Film blickt allerdings nicht auf die Schwierigkeiten, die Adèles lesbische Beziehung in ihrem sozialen Umfeld auslöst. Und er hält sich auch kaum mit der Frage auf, welche Auswirkungen es auf Adèles Identität hat, dass sie ihre Liebe zu einer Frau entdeckt. In dem dreistündigen Film, der Adèle über einige Jahre begleitet, geht es zuallererst um die Intensität erster Gefühle: das erste Verliebtsein, die erste Enttäuschung, den ersten Verlust. Es ist eine Intensität, die Kechiche ohne Sicherheitsabstand auf die Leinwand bannt. Bei einem Streit zwischen Adèle und Emma spürt man die existentielle Tragweite des Konflikts in all seiner Kraft. Genauso kraftvoll zeigt der Film das aufkeimende Glück, das Sich- gegenseitig-Entdecken – auch körperlich. Da haben die überlangen Sexszenen ebenso ihre Funktion wie die langen Einstellungen auf die Gesichter der beiden, wenn sie sich unterhalten. Dass diese Liebe dann doch mit sozialen Unterschieden zu kämpfen hat, macht den Film nicht zu einem Sozialdrama. Denn hier geht es tatsächlich und ganz im Gegensatz zu allen anderen Filmen von Kechiche vor allem um das persönliche Verhältnis dieser beiden Personen zueinander und wie sie ihr Leben gestalten.
Den kleinen Skandal im Herbst – als die Darstellerinnen sich über die Arbeitsmethoden des Regisseurs beschwerten – beiseite gelassen, hat Kechiche wie schon in seinem Jugendrama „Nicht ja, nicht nein“ wieder einmal bewiesen, wie viel er aus jungen Schauspielern herausholen kann. Denn was die beiden Jungdarstellerinnen hier drei Stunden lang auf der Leinwand an Gefühlen transportieren, haut einen regelrecht um.
Goldene Palme Cannes 2013

Alles auf Anfang
Lebensfragen aus weiblicher Perspektive – Vorspann 01/26
„Es ist niemals Pause“
Katharina Pethke über ihre Filme zur Arbeitswelt – Portrait 12/25
„Stromberg hat Relevanz für die heutige Zeit“
Ralf Husmann über „Stromberg – Wieder alles wie immer“ – Gespräch zum Film 12/25
„Beweise sichern für das, was afghanische Frauen durchmachen“
Sahra Mani über ihren Film „Bread & Roses: A Fight for Women's Rights“ - Portrait 12/25
Langfilmdebüt einer Schauspielerin
„Paternal Leave – Drei Tage Meer“ im Filmhaus – Foyer 12/25
Heldenspektakel
Männerrollen auf Leinwand – Vorspann 12/25
Grenzenlos
10. European Arthouse Cinema Day – Festival 11/25
In NRW wird Kino wirklich gelebt
Verleihung der Kinoprogrammpreise NRW in der Wolkenburg – Foyer 11/25
Auf Identitätssuche
Die 17. Ausgabe des Filmfestivals Cinescuela in Bonn – Festival 11/25
Raus aus dem Schmuddelwetter
Tiefgründige Filme im No!vember – Vorspann 11/25
Unermüdliches Engagement für den Schnitt
„Kammerflimmern“ im Filmhaus – Foyer 10/25
Hamnet
Start: 15.1.2026
Extrawurst
Start: 15.1.2026
Silent Friend
Start: 22.1.2026
„Es geht darum, Verbindung herzustellen und zu fühlen“
Zwei Fragen an Filmemacherin Laura Heinig – Portrait 10/25
Der Mensch hinter der Legende
choices Preview im Odeon Kino – Foyer 10/25
„Die wichtigste Strategie: nicht aufgeben“
Zwei Fragen an Filmemacherin Lenia Friedrich – Portrait 10/25
Father Mother Sister Brother
Start: 26.2.2026
Marty Supreme
Start: 26.2.2026
„Für mein Debüt bündle ich im Moment alle Kräfte“
Zwei Fragen an Filmemacherin Kim Lea Sakkal – Portrait 10/25
The Bride! – Es lebe die Braut
Start: 5.3.2026
Preisträgern auf den Zahn fühlen
Artist Talks des Film Festival Cologne im Filmpalast - Foyer 10/25
Nouvelle Vague
Start: 12.3.2026
La Grazia
Start: 19.3.2026
„Ich wollte mich auf eine Suche nach Kafka begeben“
Regisseurin Agnieszka Holland über „Franz K.“ – Gespräch zum Film 10/25