
Alexandre Ajas Maniac
Frankreich, USA 2012, Laufzeit: 92 Min., FSK 18
Regie: Franck Khalfoun
Darsteller: Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo, Liane Balaban, Morgane Slemp, Sammi Rotibi, Sal Landi, Genevieve Alexandra, Jan Broberg
>> www.maniac-derfilm.de
Trashiger Psychothriller
Naja, Aja
„Alexandre Ajas Maniac“ von Franck Khalfoun
Ein Serienmörder skalpiert seine Opfer und tackert die Skalps auf Schaufensterpuppen, mit denen er sich daheim vergnügt. Dann aber verliebt er sich in eine Fotografin.
Von Anfang an scheitert der Versuch, das ambitioniert selbstauferlegte First-Person-Konzept umzusetzen: Regisseur Franck Khalfoun („P2 – Schreie im Parkhaus“) sucht über diesen Weg eigentlich eine größere Identifikation mit dem Killer. Das Ansinnen geht nach hinten los: Stattdessen ärgert man sich fortwährend über die mangelhafte technische Umsetzung.
So spürt man beinahe durchgehend die Präsenz der Kamera, die Bewegungsmöglichkeiten sind zu offensichtlich einschränkt und werden zu offensichtlich mühsam umgangen. Richtig peinlich wird es, wenn szenisch versucht wird zu zeigen: Guck mal, wie authentisch wir das hinkriegen (Frank steht vorm Spiegel und neigt seinen Kopf - die Kamera neigt sich mit). Völlig unmotiviert, purer Selbstzweck, und wenn dann das Timing nicht stimmt, tja. Timing und Perspektiven jedenfalls stimmen hier oft nicht. Die Kamera bewegt sich darüber hinaus insgesamt viel zu schwerfällig und völlig unorganisch (warum dem Film andernorts eine Wackelkamera unterstellt wird, ist unverständlich – die Kamera ist nicht zuletzt auch deshalb so unglaubwürdig, weil sie viel zu wenig bewegt wird). Abgesehen davon: Seit wann können Augen zoomen? Und warum wechselt die Kamera scheinbar willkürlich auch mal in die Third-Person-Perspektive?
Eine insgesamt inkonsequente, unglaubwürdige, unbeholfene Inszenierung. Wer sehen will, wie man so etwas technisch gelungen umsetzt, der schaue „Enter the Void“, der bereits drei Jahre vorher, oder „Hardcore“, der drei Jahre später erschien.
Atmosphäre, Musik und Dramaturgie sind nicht zeitgemäß und berufen sich vordergründig auf das nostalgische Moment (der Film ist das Remake des Originals von 1980). Das ist soweit gelungen. Warum dann aber behauptet wird, der Film sei, mehr noch als sein Vorbild, kein purer Horror, sondern ein psychologisches Drama mit Horror-Elementen, ist völlig schleierhaft. Das Slasherdrama bewegt sich leidlich durch vage skizzierte Trivial-Psychologie: Die Mutter kokst und hat vor ihrem minderjährigen Sohn Frank Sex mit wechselnden Liebhabern; Elijah Wood ("Herr der Ringe"-Trilogie) als erwachsener Frank bekommt Migräneanfälle, sobald er auf Beziehungen angesprochen wird, und ist nach dem Morden vorrübergehend zerrissen wie dereinst Gollum. Punkt. Mehr kommt da nicht. Vermutlich steht der Film deshalb auch auf dem Index. Die Morde und Skalpierungen sind zwar blutig, aber mit einer angemessenen psychologischen Vertiefung wäre das vielleicht sogar durchgegangen.
Insgesamt dilettantisch und enttäuschend. Das gesunde Maß an Blutgehalt und nackter Haut dürften Genrefans zufrieden stimmen, aber mehr als schlechter Trash ist das hier leider nicht. Alexandre Aja („High Tension“, „Piranha 3D“) steht hier als Produzent Pate und ist leider kein verlässlicher Garant für Qualitätsware.

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