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Diskursive Revolte in „Die Chinesin“ von Jean-Luc Godard
Foto: Gaumont

Bilder der Barrikaden

23. Februar 2017

Revolutionäres Kino und Kino der Revolution – Filmreihe 03/17

Ende des 19. Jahrhunderts hat das Kino das Erzählen in Bildern revolutioniert. Und es dauerte gar nicht lange, da wurde seine erzählerische Kraft auch in den Dienst der politischen Revolutionen gestellt. Wahlweise ging es darum, sie retrospektiv zu heroisieren, sie zeitnah zu dokumentieren oder sie propagandistisch zu protegieren.

Die Reihe Filmgeschichten, mit der sich das Filmforum NRW seit Jahren einer intensiven Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte widmet, startet im März seine neue Reihe „Revolution im Film“ chronologisch mit Sergei M. Eisensteins „Oktober“ von 1927. Der Film ist insofern ein frühes Beispiel für Agit-Prop, weil es eine Auftragsarbeit des Regimes war, um die zehn Jahre zurückliegende Oktoberrevolution im rechten Licht darzustellen. Es ist aber zugleich auch ein Beispiel für revolutionäres Kino, da Eisenstein eine eigene Filmsprache fand, um die Ereignisse darzustellen. Und die missfiel seinerzeit den Funktionären der KPdSU und wurde des Formalismus bezichtigt (16.3.). Kurz darauf mahnten Brecht, Eisler und der Regisseur Slatan Dudow in Deutschland die Notwendigkeit einer Revolution an. 1932 stellten sie ihren kämpferischen Arbeiterfilm „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt“ fertig. Er wurde zensiert, kurz darauf doch zur Aufführung freigegeben und 1933 wieder verboten. Unvergessen sind die Bilder, die die Jobsuche als erschöpfendes Radrennen darstellen (30.3.). Propagandafilme gab es anschließend reichlich, in Europa war aber erst mal Schluss mit Revolution. Die Filmreihe setzt 1964 mit „Soy Cuba“ von Michail Kalatowsow wieder ein. Der lange vergessene Film über das sozialistische Kuba greift die Ästhetik Eisensteins wieder auf (13.4.).

Einen ganz anderen Weg wählt Jean-Luc Godard, der 1968 in „Die Chinesin“ eine maoistische WG in Paris beobachtet, Handlungsmomente weitgehend gegen diskursive Dialoge eintauscht und mit selbstreflexiven Elementen immer wieder Brüche einbaut (11.5.). Von Godard beeinflusst war Glauber Rocha, der mit dem Cinema Novo in Brasilien den antikolonialen Realismus der älteren Generation gegen ein wildes, mit übersteigertem Symbolismus aufgeladenes Kino eintauschte, wie man am Beispiel von „Land in Trance“ aus dem Jahr 1967 sehen kann (8.6.). „Schlacht um Algier“ von dem Italiener Gillo Pontecorvo aus dem Jahr 1966 zeichnet sich hingegen durch einen starken Realismus in der Darstellung des algerischen Unabhängigkeitskriegs aus (29.6.). Derweil verpackt Michelangelo Antonioni in „Zabriskie Point“ seine Ideologiekritik in poetische Bilder, die es in der Popkultur zum Kultstatus gebracht haben (13.7.).

Nach der Sommerpause geht es in den 70er Jahren weiter mit dem senegalesischen Film „Ceddo“ – einem frühen Werk von Regielegende Ousmane Sembène und „Rot ist die blaue Luft“ des New Yorker Experimentalfilmers Chris Marker. Ula Stöckls essayistischer Episodenfilm „9 Leben hat die Katze“ lässt noch mal die ‘68er zu Wort kommen und nach einem Sprung über 35 Jahren landet die Reihe mit den Dokumentationen „Maidan“ über die Proteste in der Ukraine und „In the Last Days of the City“ über Kairo vor dem arabischen Frühling bei den Revolutionen der Gegenwart. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr, dem Screening geht eine Einführung zum Film voraus. Den Start macht der Regisseur Dominik Graf zu „Oktober“.

Filmgeschichten: „Revolution im Film“ | ab 13.3. | Filmforum NRW | www.filmforumnrw.de

Christian Meyer-Pröpstl

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