Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21

12.484 Beiträge zu
3.737 Filmen im Forum

„Motorchestra“
Foto: Almut Elhardt

Animation der Maschine

01. Juni 2013

„Motorchestra“ in der Studiobühne – Theater am Rhein 06/13

Musikautomaten gehören untrennbar zur Musikgeschichte. Schon seit der Antike basteln die Menschen an der Mechanisierung der Klangerzeugung herum, haben diverse Maschinen von Glockenspielen in Uhren über Spieldosen und Orchestrien bis zum Welte „Mignon“-Klavier konstruiert. Jasper Diekamps „Motorchestra“ steht also in einer langen Tradition. Im Keller der Studiobühne, der Schmiede, ist ein hexagonaler Tisch aufgebaut, in dessen Zentrum sich eine Achse mit Zahnrädern dreht, die sechs Motorradketten antreiben. Diese sind mit allerlei kleinen Haken, Stiften und Magneten versehen und laufen an selbstgebauten Instrumenten vorbei. Das können Spraydosen oder mechanische Klöppel sein, ein federndes Pendel oder eine Membran; die dabei entstehenden Geräusche werden entweder direkt abgenommen oder durch Effektgeräte bearbeitet. Sie geben den Rhythmusteppich vor, über dem Peter Protschka an Trompete und Flügelhorn und Hannes Wöhrle am Saxophon und an den Tasten dann improvisieren – was meist nach einer Mischung zwischen Deep House, Dub und Kenny Wheeler klingt.

Jasper Diekamp ist Absolvent der Kunsthochschule für Medien im Fachbereich Medienkunst und interessiert sich für die Verknüpfung unterschiedlicher ästhetischer Genres. Er hat das Bühnenbild zu „Amnesie National“ gestaltet oder zuvor mit der kinetischen Installation „Monolog of two machines“ den LAB-Award in Augsburg gewonnen. Das performative Element bei „Motorchestra“ bleibt zunächst eher schmal. Wenn allerdings Diekamp und Sven Mause zwischen den Tracks die Maschine umbauen, dann sieht das schon ein bisschen nach Jungs und Fischer-Technik aus. Nichtsdestotrotz kann man sich der Wirkung nicht entziehen: In der Sichtbarkeit der mechanischen Bewegung erhält sich ein Moment einer nicht erklärbaren Animation. Man denkt an Jean Tinguelys kinetische Skulpturen oder an Ray Eames‘ „Do Nothing Machine“. Hinzu kommt, dass auf zwei Leinwänden die Maschine in Makroaufnahmen, blauen Farbräuschen oder wilden Überblendungen Science Fiction-artig inszeniert wird.

Über drei Songs verfügt die Combo bisher, bis zum Juni dürften es noch ein paar mehr werden. Dann muss sich Diekamp allerdings auch etwas einfallen lassen, wie seine Maschine auch im großen Stall der Studiobühne funktioniert.

„Motorchestra“ von Jasper Diekamp | Studiobühne| 7.-9.6. 20 Uhr | www.studiobuehne.uni-koeln.de

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Nope

Lesen Sie dazu auch:

Präsenz einer Abwesenden
„3 Schwestern“ von schmitz + möbus kollektiv – Theater am Rhein 08/22

Das Ich als Projektion
„Fassaden“ am Studio Trafique – Theater am Rhein 08/22

Wurzeln, Muskeln, queere Körper
„Mandragora“ in der Tanzfaktur – Auftritt 08/22

„Ich liebe antizyklische Prozesse!“
Andrea Bleikamp über die Freie Theaterzene – Interview 07/22

„Ab wann kippt ein freier Geist?“
Constantin Hochkeppel & Collaborators über „Tipping Points“ – Premiere 04/22

Sprungbrett für den Nachwuchs
Festival West Off an der Studiobühne – Prolog 03/22

Theatrale Angebote
„Die letzte Messe“ liest der katholischen Kirche die Leviten – Prolog 11/21

Theater am Rhein.

Hier erscheint die Aufforderung!