Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

12.279 Beiträge zu
3.623 Filmen im Forum

Regisseur Sascha Hawemann
Foto: Katrin Ribbe

Zweite Chance

20. Dezember 2018

Premieren im Februar in Köln und Bonn – Prolog 01/19

Wer eine zweite Chance bekommt, sollte sie nicht vermasseln. Schon gar nicht, wenn er dafür nochmal auf die Erde darf. Liliom allerdings packt’s auch diesmal nicht. Als er nach 16 Jahren Fegefeuer zu Frau und Tochter zurückkehrt, schlägt er wieder um sich, obwohl doch Julie die Liebe seines Lebens ist. Ferenc Molnárs Moritat „Liliom“ von 1909 ist ein Schmachtfetzen allerfeinster Sorte: Sozialdrama, Märchen und Tragödienkitsch in einem und 1930 in Hollywood von Frank Borzage verfilmt. Liliom ist ein Macho, Frauenheld und Platzhirsch auf dem Jahrmarkt. Er verliebt sich in das Dienstmädchen Julie. Beide verlieren ihre Stelle. Als Julie zudem schwanger wird, rastet Liliom aus. Er ist überfordert, prügelt seine große Liebe, versucht, trotzdem Verantwortung für die kleine Familie zu übernehmen. Er lässt sich zu einem Überfall überreden, der allerdings aus dem Ruder läuft und in einem Raubmord endet. Liliom begeht aus Scham über sein Versagen Selbstmord – und bekommt besagte zweite Chance. Keine einfache Aufgabe für Regisseur Sascha Hawemann und Hauptdarsteller Holger Kraft, dieses dramatische Chamäleon mit hohem Sentimentalitätsfaktor auf die Bühne des Bonner des Theaters zu bringen.

Der Autor und Filmemacher Rainer Werner Fassbinder hat nicht nur „Liliom“ 1972 in Bochum inszeniert, sondern solche kleinbürgerlichen Existenzen immer wieder auf Bühne und Leinwand gebracht. Bereits mit 19 Jahren verfasste er das Stück „Tropfen auf heiße Steine“, das allerdings erst 1985, drei Jahre nach seinem Tod, uraufgeführt wurde. Aus einem Abenteuer wird hier eine feste Beziehung: Der junge Franz hat Sex mit dem wesentlich älteren Leopold. Er verlässt seine Freundin Anna und zieht zu seinem neuen Freund. Doch die kleinbürgerliche Umgebung und das konventionelle bürgerliche Setting kontaminieren die Beziehung innerhalb kürzester Zeit. Franz wird zur Hausfrau und Leopold zum nörgelnden Pantoffelheld. Machtspiele, Verletzungen, Demütigungen und Scham sind die Folgen. Als Anna Franz zurückzugewinnen versucht, bringt Leopold seine Ex-Freundin Vera ins Spiel – am Ende schlafen alle miteinander und keiner ist glücklich. Tom Müller bringt Fassbinders Stück auf die Bühne des Theaters der Keller.

„Liliom“ | R: Sascha Hawemann | 15.(P), 21.2. 19.30 Uhr | Theater Bonn | 0228 77 80 08

„Tropfen auf heiße Steine“ | R:Tom Müller| 7.2.(P) 20 Uhr | Theater der Keller | 0221 31 80 59

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

Neue Kinofilme

Aladdin

Lesen Sie dazu auch:

„Deine eigene Wahrheit suchen“
Charlotte Sprenger über „Das Fest“ – Premiere 05/19

Viel Skandal, viel Unterhaltung
„Oh wie schön ist <s>Panama</s> Malta“ am Theater Bonn – Auftritt 05/19

„Unsere Schüler sind extrem aufgeweckt“
Dominic Friedel über „Jugend ohne Gott“ am Theater Bonn – Premiere 04/19

Die in die Tiefe stürzen
Premieren im Mai in Köln und Bonn – Prolog 04/19

Atemberaubende Humanität
Sascha Hawemann inszeniert Ferenc Molnárs „Liliom“ in Bonn – Auftritt 03/19

Rrrumms! Paaatsch!
„Warten auf Godot“ am Theater Bonn – Theater am Rhein 03/19

WG auf der Bühne
„Auerhaus“ im Theater der Keller – Bühne 02/19

Bühne.