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Zwischen Bier, Fanta und Lasagne: Gemütliche Runde beim Welcome-Dinner
Foto: Rebecca Ramlow

Integration geht durch den Magen

19. Januar 2016

Beim Welcome Dinner kochen Kölner für Flüchtlinge: ein kulinarisches Kennenlernen

In der WG laufen die Vorbereitungen für das anstehende Dinner auf Hochtouren: Es gibt vegetarische Lasagne mit roter Bete. Als Nachtisch wird Apple Crumble mit Vanille-Sauce serviert. Die Stimmung ist gut. Das Essen riecht auch gut. Noch. Hin- und wieder fällt ein Witz. Die WG – das sind Webdesignerin Merle, ihre Mitbewohnerin Jana, der niederländische Mitbewohner Leon und seine in Amsterdam lebende Freundin Jenny, die zu Besuch ist. Vorübergehend kommt noch ein kleiner Stressfaktor auf, als die Lasagne versehentlich überquillt, im Ofen auf die Pizza tropft, und der alte Ofen beinahe abzubrennen droht. Der gute Geruch ist im Nu weg. Doch man reißt kurzerhand bei Minusgraden das Fenster auf. Merle, Jana und Leon sind drei der inzwischen rund 200 Kölner Gastgeber eines Welcome Dinners für Flüchtlinge.

Schließlich ist es dann auch soweit. Es klingelt: Die Gäste Mohamed und Gheiath, beide aus Syrien stammend, stehen an der Türschwelle. Offensichtlich freuen sie sich über die Einladung. Beide entschuldigen sich für ihr schlechtes Deutsch, dabei ist es dafür, dass sie erst seit drei Monaten die Landessprache erlernen, erstaunlich gut. Mohamed ist 33 und stammt aus Hama. Der 26-jährige Gheiath kommt aus Damaskus. Letzterer zieht seine Jacke und Mütze gar nicht erst aus: „Es ist kalt hier“, friert er. Die übergelaufene vegetarische Lasagne scheint etwas gewöhnungsbedürftig zu sein. Während Mohamed grundsätzlich keinen Alkohol trinkt, greift Gheiath beherzt beim Bier zu. Beide sind seit ein paar Monaten in Deutschland und belegen einen Integrationskurs. Gemeinsam leben sie mit weiteren Flüchtlingen in einer Wohnung, wie sie berichten. Schnell entsteht ein nettes Kennenlern-Gespräch, auch, wenn es manchmal an leichten Sprachverständnissen hapert. Merle schlägt vor, wenn es gar nicht anders ginge, könnte man sich ja auch mit Händen und Füßen unterhalten. Gheiath findet diesen Ausdruck offensichtlich so lustig, dass er sich vor Lachen gar nicht mehr einkriegt. Überhaupt lacht er angenehm viel, so dass man öfters mal mitlachen möchte.

Wie denn ihre Flucht war, fragt Merle. „Anstrengend“, geben beide zu. Mohamed floh auf einem großen Schiff, Gheiath indessen per Schlauchboot. „Tagelang kein richtiges Essen, kein Schlaf, keine Dusche, du musst alles teilen“, sagt Gheiath, und für einen Moment wird sein Gesichtsausdruck düster. „Syrien ist nicht mehr mein Land – leider“, sagt er, und man sieht ihm die Frustration ob der Situation in seiner Heimat an, doch schnell lacht er wieder, spätestens als Merle ihm Fotos von ihrem einstigen Syrien-Urlaub zeigt. Mohamed und Gheiath wollen unbedingt besser Deutsch lernen, sagen sie. Denn: „Ohne Sprache geht es nicht.“ Mohamed möchte Verkäufer werden, vielleicht später studieren. Gheiath interessiert sich hingegen für Geographie und Literatur „denn Mathematik kann ich nicht so gut“, lacht er. Noch hat er keine Aufenthaltsgenehmigung. „Aber, was nicht ist, kann ja noch werden.“ Die beiden scheinen sich in Köln bereits ganz gut eingelebt zu haben. Welcome Dinner – ein angenehmer Abend, der trotz brennender Lasagne und sprachlicher Barrieren nicht langweilig wurde. Wer auch Gastgeber werden möchte, kann sich hier anmelden: Welcome Dinner Köln

„Welcome Dinner“, Köln, überall, jederzeit I www.welcome-dinner.koeln/de

Rebecca Ramlow

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