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Christa Aretz von Filminitiativ e.V. traf die Filmauswahl

Tod im Boot

17. April 2015

„Yoole“ in der Filmpalette – Foyer 04/15

Donnerstag, 16. April: Die Freie Volksbühne Köln bietet pro Spielzeit jeweils ein Themenabonnement, das aktuell unter dem Schlagwort „Heimat“ zusammengefasst wurde. Dabei beschäftigten sich die verschiedenen Theater- und Opernregisseure aber auch mit der Abwesenheit von Heimat und damit mit dem Thema Migration. Als Abschluss der Reihe hatte man sich erstmals dazu entschlossen, den künstlerischen Kreis auch um das Medium Film zu erweitern. Vermittelt durch Christa Aretz vom Filminitiativ e.V. wurde deswegen in der Filmpalette der Film „Yoole“ präsentiert, in dem sich der senegalesische Regisseur Moussa Sene Absa bereits 2010 mit der immer stärker zunehmenden Flucht seiner Landsleute in wenig seetauglichen Booten auseinandersetzte. Im Zentrum stand ein vor Barbados gestrandetes Schiff, auf dem sich zehn Leichen von Flüchtlingen aus dem Senegal befanden. Absa befragte in „Yoole“ junge Menschen nach ihren Plänen zur Migration, aber auch Senegalesen, denen der Sprung nach Europa bereits gelungen war und die, desillusioniert, am liebsten wieder in ihre Heimat zurückkehren würden.

Regisseur Kostas Papakostopoulos

Zum Abschlussgespräch in der Filmpalette, das von Journalist Hans-Georg Lützenkirchen moderiert wurde, hatte man Experten aus den unterschiedlichsten Feldern geladen. Christa Aretz, die „Yoole“ bereits 2012 im Rahmen des Afrika-Filmfestivals „Jenseits von Europa“ in Anwesenheit des Regisseurs Moussa Sene Absa in Köln präsentiert hatte, erklärte, dass sie den Film ausgesucht habe, weil er „brandaktuell ist und weiterhin brandaktuell bleiben“ werde. Rosi Ulrich und Karin Frommhagen vom theater-51grad rekapitulierten ihr Stück „Merry-Go-Round“, bei dem es um bulgarische Einwanderer in Deutschland und deutsche Migranten in Bulgarien ging. Kostas Papakostopoulos hatte im Theater im Bauturm „Schutzflehende“ auf die Bühne gebracht, das klassische Stück von Aischylos, bei dem sich der Chor der Antike zu den Stimmen moderner Flüchtlinge aus Kurdistan und Irak gewandelt hatte. Komplettiert wurde die Runde durch Claus-Ulrich Prölß, dem Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats, der auf die momentane Migrationslage in der Domstadt eingehen konnte.

Claus-Ulrich Prölß vom Kölner Flüchtlingsrat

Prölß erläuterte, dass derzeit rund 6100 Flüchtlinge in Kölner Unterkunftseinrichtungen untergebracht seien und dass ihre Zahl seit 2008 beständig angestiegen sei. Wenn man bedenke, dass die weltweite Zahl der Flüchtlinge im vergangenen Jahr mit rund 50 Millionen auf ihrem Höchststand seit Ende des Zweiten Weltkriegs angelangt sei, könne das allerdings kaum verwundern. Papakostopoulos betonte, dass die Idee, Flüchtlinge in Theaterstücke zu integrieren, nicht Gefahr laufen dürfe, lediglich unser soziales Gewissen zu beruhigen: „Es ist schön, wenn Flüchtlinge auf der Bühne ihre Geschichte erzählen, aber wir müssen auch uns selbst in Frage stellen.“ Das unterstrich auch Rosi Ulrich: „Wir machen uns zu wenig Gedanken über die Prozesse, die einer Migration vorausgehen, und wie wir dabei vielleicht helfend eingreifen können.“ Für Claus-Ulrich Prölß liegt eines der Hauptprobleme in der Unterteilung der Migranten, bei denen Sinti und Roma beispielsweise oft von „wahrhaft politisch Verfolgten“ getrennt würden. Die Sortierung von Flüchtlingen müsse aufhören, da es beim Thema generell eigentlich nur um Menschenrechte gehen dürfe. Prölß regte an, dass man nachhaltig, insbesondere bei Jugendlichen, ein Umdenken in Bezug auf Migration anregen müsse, weil es dabei auch um die Verteidigung der Demokratie und um den Schutz der Verfassung gehe. „Ausländerpolitik hat schon häufig dazu gedient, Dinge auszuprobieren, die dann auch in anderen Bereichen durchgedrückt wurden“, ergänzte der Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats und wies dabei insbesondere auf das leidige Thema Hartz IV hin. Migration sei gerade deswegen ein Thema, das uns alle angehe.

Die Veranstalterinnen Andrea Hoßfeld, Astrid Freudenberger und Christa Aretz
Text/Fotos: Frank Brenner

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