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Ausstellungsansicht, Raum 6: Annamaria und Marzio Sala, Chronhomme 1, 1987, Projektion mit 2 Overhead-Projektoren, Foto-Lith-Folien (Schenkung Annamaria Sala), © VG Bild-Kunst, Bonn, Kolumba
Foto: Lothar Schnepf, Köln

Im Dialog mit Gästen

29. März 2018

„Pas de deux“ im Kolumba – kunst & gut 04/18

Diesmal ist im Kolumba alles etwas anders. Ein fantastischer Hinweis auf das Konzept der Jahresausstellung findet sich gleich zu Beginn der ersten Etage. Das Video „Fred“ (2005), das von Annamaria und Marzio Sala stammt, zeigt das Pas de deux von Fred Astaire und Cyd Charisse im Filmmusical „The Band Wagon“, teilweise aber in extremer Zeitlupe. Das Kuriose der schauspielernden Ganoven wird offensichtlich, zugleich tanzt das Paar schwerelos und entrückt im virtuellen Raum. Aber nicht nur Fred und Cyd kennzeichnet der (zumal in der Choreografie mit den Ganoven) ausdrucksstarke Dialog: Auch das Kunstvideo korrespondiert in der Realität der Ausstellung mit seinen Nachbarn: mit Simon Trogers Holzskulptur des „Heiligen Michael“ (ca. 1725) aus dem Bestand des Kolumba und dem „Mithrasrelief“ (Mitte 2. Jh., Marmor), das aus dem Römisch-Germanischen Museum entliehen ist. Das einen Steinwurf entfernte Museum ist ohnehin Partnerinstitut für die archäologische Ausgrabung neben St. Kolumba, die in den Museumsbau einbezogen ist.

Die gemeinsame Präsentation von Sammlungsstücken beider Museen erweist sich im Kolumba als win-win-Partie. Der Titel der Ausstellung bringt es ebenso auf den Punkt wie die Nennung „Römisch-Germanisches Kolumba“. Also, praktisch gesprochen für den Beginn der ersten Etage: Das Moment des schwerelos Tänzerischen findet sich anschaulich wieder im Erzengel Michael und in der Tötung des Stieres durch Mithras.

Mit solchen genauen, mitunter allzu forcierten Korrespondenzen arbeitet die ganze Ausstellung. Sie setzt Werke der (heidnischen) Antike und des (sakralen) Mittelalters und (meditativer) zeitgenössischer Kunst in Beziehung und betont dabei Details und Attribute, die sonst leicht übersehen werden. Sie setzt Schwerpunkte, schafft Inseln für die Gefäße, arbeitet mit Vitrinen und Aufbauten für die teils winzigen Objekte, deren Besonderheit in der Gegenüberstellung erst deutlich wird. Und das Kolumba kommt sowohl in der Ausstellung selbst als auch im Wissen um die vorausgegangenen Jahresausstellungen wiederholt auf einzelne Künstlerpersönlichkeiten zurück. Das trifft schon auf Annamaria und Marzio Sala zu, jenes wunderbare Künstlerpaar aus Konzertpianistin und Mathematiker, von dem gleich im nächsten Saal eine weitere Arbeit zu sehen ist: die erste ihrer „Chronhomme“-Installationen (1987), bei der zwei auf die Wand projizierte Linienzeichnungen zum Schema eines Menschen in einem Zeit-Raum-Gefüge verschmelzen. „In den gravitätischen Schwüngen der beiden Tänzer vermeint man jene Linien wieder zu sehen, die man in den Bildern von Chronhomme […] kennengelernt hat“, hat Stephan Schmidt-Wulffen im Katalog zur großen Sala-Ausstellung im Kunstmuseum Bonn 2007 geschrieben.

Norbert Schwontkowski ist derzeit im Kolumba mit einem anderen, merkwürdig an die Schöpfungsgeschichte erinnernden Gemälde vertreten als im letzten Jahr. Und die Fotoarbeiten zur „Vasenextase“ von Anna und Bernhard Johannes Blume sind nun in den zentralen Raum 13 versetzt. An ihrem vorherigen Ort im Eckraum hängten jetzt Dieter Kriegs noch mit Glasscheiben versehene expressive Malereien (1998), gemeinsam mit einem Diatretglas aus dem 4. Jahrhundert in der Mitte des Raumes: Im grünen Schimmern nimmt hier wie da ein rundes Volumen Gestalt an. Überhaupt erweist sich der Objekttypus Gefäß als „Matchwinner“ der Ausstellung. Es gibt frühzeitliche Gesichtsurnen aus Ton (im Dialog mit einem 91-teiligen Porträt-Gemälde von Bénédict Peyrat) und Delfinbecher aus dem 4. Jahrhundert (im Dialog mit einer Malerei von Paul Thek, die – na was wohl – einen zweischwänzigen Wal zeigt). Eine Leistung der Ausstellung ist es, dass die Kunstwerke jetzt erst recht ihre Geschichten etwa vom Leben, von Zeit, von Vergänglichkeit, von Transzendenz, vom Glück und von Erinnerung erzählen. Das gilt für unverzichtbare Hauptwerke der Sammlung wie Stefan Lochners „Veilchen-Madonna“ ebenso wie für solche Debütanten wie Erich Bödekers steif-sensiblen „Hirsch“ aus Beton und Karl Burgeffs riesiges, züngelndes „Blatt“ aus Gips. Wie schön, wie witzig, wie intelligent!

Pas de deux | bis 8.4. | Kolumba | 0221 93 31 93 32

Thomas Hirsch

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