Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

12.173 Beiträge zu
3.586 Filmen im Forum

„Heimat 4.0“ in der Alten Feuerwache
Foto: Meyer Originals

Heimat als Phantomschmerz

26. Januar 2018

„Heimat 4.0“ in der Alten Feuerwache – Theater am Rhein 03/18

Was ist Heimat in einer digitalen und globalisierten Gesellschaft? Eine Illusion, deren Anhänger nur noch im rechten Lager zu finden sind? Gerade dort mutierte er in den letzten Jahren ja zum Kampfbegriff. Oder ist „die Heimat“ noch zu retten? Das A.Tonal.Theater machte sich in der Alten Feuerwache auf die Suche nach Antworten.

Vier professionelle und fünf Laienschauspieler hatten sich dazu versammelt. Auf der Bühne traten sie dem Publikum mal als assoziationswütige Flut, mal als rechtspopulistische Politikerhorde entgegen. Und all die bösen Ideologen des Nationalismus wurden dann auch brav abgeklappert: Trump-, Hitler- und Höcke-Reden wurden zitiert und durch düstere Szenerien und Musikuntermalung als das verdammt, was sie vermutlich auch sind: böse Apologien, die den Heimatbegriff für ihre Machenschaften vereinnahmen. Nur fragt man sich leider, welchen Mehrwert es hat, die berüchtigte Dresdener Mahnmalrede, die über Wochen durch die Medien geisterte, dem Zuschauer als endlose Gruselversion erneut zu servieren. Man kann dem Ensemble um Regisseur Jörg Fürst zugute halten, die Ideologie des Rechtspopulismus präzise zu entlarven: ihre reaktionären Vorstellung von Volk und Heimat, ihr gefährliches Spiel mit Emotionen und Affekten. Nur: Neben all den gut gemeinten Verdammungen der Rechten ist wenig Platz geblieben für eine Reflexion über alternative Vorstellungen von Heimat. Das vierte Kapitel des Stückes, in dem Anja Jazeschann die Geschichte ihres ukrainischen Vaters über Verlust und Wiedergewinn von Heimat erzählt, bildet eine leuchtende Ausnahme, in einer sonst dunklen Belehrungsstunde, die den Rechtspopulismus als Horrorfilm inszeniert.

Auch das Fazit des Abends passt da ins Bild: In Anlehnung an Christian Schüle wird die Heimat im Epilog als Phantomschmerz verkauft. Es gibt ja eigentlich gar nichts zu meckern: Die Zukunft der globalisierten und hypermobilen Welt steht jedem – kulturelles und wirtschaftliches Kapital vorausgesetzt – offen. Und so bleibt der Begriff Heimat dem Diskurs der Rechten überlassen. Eine vertane Chance, ihn sich wiederzuholen.

„Heimat 4.0 – Ein unheimliches Bürgertheater“ | R: Jörg Fürst | 25.-28.1., 1.- 4.3. 20 Uhr | Alte Feuerwache | 0221 985 45 30

Florian Holler

Neue Kinofilme

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Lesen Sie dazu auch:

Das gerettete Kleinod
Die Alte Feuerwache: eine Perle der Freien Kultur – Kulturportät 12/18

Bis dir schwarz vor Augen wird
Die neue Produktion von Silke Z. misst die Angst aus – Tanz am Rhein 06/18

Internationale Wurzelsuche
Tanz- und Performance-Festival tanz.tausch in Köln – Tanz in NRW 12/17

Der Krieg und sein Echo
Das Svetlana Fourer Ensemble zeigt „Das Kind und der Krieg“ – Theater 11/17

Gegen jede Vernunft
„Die Metabolisten“ und der Reiz verschieden gealterter Körper – Tanz in NRW 04/17

Feministin – ein Schimpfwort?
Diskussion mit Maria Mies über ihr Buch „Kapital und Patriarchat“ – Spezial 11/16

Würden Sie für 250€ Sex auf der Bühne haben?
P Project von Extremkünstler Ivo Demchiv in der alten Feuerwache – Theater 10/15

Theater am Rhein.