Walk on Water
Israel 2004, Laufzeit: 104 Min.
Regie: Eytan Fox
Darsteller: Lior Louie Ashkenazi, Knut Berger, Caroline Peters, Carola Regnier, Gidon Shemer, Hanns Zischler, Eyal Rozales, Sivan Sasson, Ernest Lenart, Yousef Sweid, Imad Jabarin, Nataly Szylman
Was sind das für Männer, die als Geheimdienst-Agenten kaltblütig ihrem Handwerk nachgehen, jemand wie der Mossad-Auftragskiller Eyal in dem neuen Film des israelischen Regisseurs Eytan Fox ("Yossi und Jagger")? Er lauert auftragsgemäß einem gesuchten Terroristen auf und tötet ihn ohne Skrupel. In diesem rechtlosen Schattenreich ist jede Aktion legitimiert durch die behaupteten oder tatsächlichen Gefahren. Eytan Fox sieht die Situation sehr kritisch: "Die Israelis sind besessen von ihrem Opferstatus und daher blind gegenüber der Tatsache, dass sie selbst zu Aggressoren geworden sind." Aber der Regisseur verdammt das Vorgehen nicht nur, vielmehr nähert er sich der Problematik über das Thema der "Männlichkeit" selber. Da er Israel als "eine äußerst maskuline Gesellschaft" sieht, will er eine Geschichte erzählen, in der ein Mann sich verändert: durch neue Gefühle, die er empfindet, durch eine neue Sichtweise, die ihm hilft, die eigenen verdrängten seelischen Verletzungen zu verarbeiten. Sein "Gegenspieler" ist Axel, ein junger homosexueller Deutscher, scheinbar frei von Schuld und Verfolgungswahn. Aber auch er muss schließlich Position beziehen zur Frage der Gewalt und des Widerstands, denn die Verharmlosung der Naziverbrechen in seiner Familie verlangt am Ende nach seinem aktiven Eingreifen. Muss auch er töten, um das Böse zu bekämpfen?Der unspektakulär, ja fast bieder daherkommende Film konzentriert sich auf diese Zwiespältigkeit und hält sie mutig in der Schwebe. Beides ist da: der kritische Blick auf das Macho-Gehabe und die geheime Bewunderung des Mutes, sich im entscheidenden Moment zur Wehr zu setzen. Lächerlich erscheint die Wut Eyals, wenn er irgendwann merkt, dass Axel schwul ist. Umgekehrt schützt er durch sein beherztes Eingreifen in Berlin eine Gruppe Transvestiten vor einem tätlichen Angriff von Skins. Als trainierter Mossad-Kämpfer nimmt er es ohne weiteres mit einer Handvoll Gegnern auf. Die Grenzen von Toleranz und Gewalt sind offenbar schon im Alltäglichsten nicht leicht zu ziehen.
(Heinz Holzapfel)

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