Der große Japaner - Dainipponjin
JAP 2007, Laufzeit: 113 Min., FSK 12
Regie: Hitoshi Matsumoto
Darsteller: Hitoshi Matsumoto, Riki Takeuchi, Ua, Ryunosuke Kamiki, Haruka Unabara, Tomoji Hasegawa, Itsuji Itao, Hiroyuki Miyasako, Takayuki Haranishi, Daisuke Miyagawa, Ryushin Tei, Ryôji Okamoto
Daisoto ist der Große Japaner. Ein Erbe, das ihn verpflichtet, auf Abruf per Elektroschock zum Hulk zu werden und für die Regierung Monster zu bekämpfen. Allerdings hat sein Ansehen mit der Zeit arg gelitten.
Ein Filmteam begleitet Daisato bei den täglichen Besorgungen. Er sitzt in der Bahn, hält einen Knirps in der Hand und sinniert über dessen Eigenschaften: „Ich mag Dinge, die nur groß werden, wenn man sie braucht“. Eine hübsche Analogie zur merkwürdigen Existenz von Daisoto. Denn er ist der „Große Japaner“ und vermöbelt für die japanische Regierung merkwürdige Monster. In den 50er Jahren war erstmals sein Großvater als Großer Japaner zum Helden der Nation aufgestiegen. Unter Einwirkung von Starkstrom wuchs er zu immenser Größe an und schlug die damals inflationär auftretenden japanischen Monster wie Godzilla, Mothra oder Rodan – bekannt aus Funk und Fernsehen – in die Flucht. Danach trat Daisotos Vater das Erbe an, und nun ist er an der Reihe, von Zeit zu Zeit per Starkstromzufuhr vergrößert zu werden. Aber die Zeiten haben sich geändert: Wurde sein Großvater mit Triumphzügen gefeiert, muss er auf dem Weg zum Elektrizitätswerk zahlreiche Plakate mit wüsten Beschimpfungen passieren. Die harmlosesten werfen ihm Energieverschwendung vor. Auch zu Hause wird er drangsaliert. Während eines Interviews mit unserem Filmteam – „Der große Japaner“ ist als Mockumentary, also als Fake-Doku inszeniert – fliegen ständig Steine gegen die Scheiben. Die Einschaltquoten der Liveübertragungen seiner Kämpfe mit dem starrenden Zyklop, der stinkenden Riesenkrake oder dem einbeinigen Hüpfmonster rutschen außerdem immer weiter in den Keller. Schlecht bezahlt wird er auch noch. Und zwischen seinen Einsätzen herrscht unerträgliche Langeweile. Ein trostloses Heldendasein ist das.
Hauptdarsteller und Regisseur ist Hitosi Matumoto, der eigentlich Hitoshi Matsumoto heißt und unter diesem Namen in Japan ein berühmter Comedian ist. Mit „Der große Japaner“ legt er das Portrait eines frustrierten Superhelden vor, dessen Action-Szenen mit betont unspektakulären CGI-Effekten ebenso depressiv wirken wie der Protagonist. Auch die absurden Monster, die jedem Surrealisten das Herz höher schlagen lassen, wanken arg lethargisch durch eine verwaiste Stadt, um zum Showdown auf den Großen Japaner zu treffen. Die Kämpfe laufen dann ebenfalls wie unter Codein ab. Man kommt nicht umhin, „Der große Japaner“ mit dem gerade in den Kinos gestarteten „Hancock“ mit Will Smith zu vergleichen. Beide Filme führen uns abgetakelte Superhelden vor. Wo „Hancock“ nach einem amüsanten Start mit imposanten Materialschlachten doch noch klassischer Superheldenfilm mit moralischem Dreh wird, gibt „Der große Japaner“ seinen Standpunkt nicht auf und dreht schließlich mit einem der merkwürdigsten Finale der Filmgeschichte – einem Superhelden-Showdown à la Augsburger Puppenkiste – komplett ab. Der sonderbarste Film seit langem.
(Christian Meyer)

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