
Bulb Fiction
AU, D 2011, Laufzeit: 90 Min., FSK 6
Regie: Christoph Mayr
>> www.farbfilm-verleih.de/filme/bulb_fiction.html
Doku über einen Skandal
Wohngift
„Bulb Fiction“ von Christoph Mayr
Man konzipiere eine Energiesparlampe, drücke im EU-Parlament, ohne demokratische Abstimmung, ein Verbot der herkömmlichen Glühbirne durch – und überschütte Millionen von Haushalten weltweit mit Kompaktleuchtstofflampen. Bestandteil: Quecksilber. Status: Sondermüll. Gesundheitsrisiko bei Bruch: vorhanden. Grundlagenforschung: Fehlanzeige. Regisseur Christoph Mayr vollzieht die intransparente Erfolgsgeschichte der Energiesparlampe anschaulich nach, und wer diesen Film gesehen hat, wird in Zukunft aus guten Gründen die Finger von der vermeintlich zukunftsträchtigen Errungenschaft lassen. Solang er noch Alternativen dazu hat. Neben dem ökologischen Desaster spiegelt Mayr die Herrschaft der Industrie über die EU-Politik.
Mayr bemüht sich, das Thema allumfassend anzugehen: Ausgehend von einem exemplarischen Fall, in dem das Schicksal eines Jungen dokumentiert wird, der sich nach dem Bruch einer Energiesparlampe mit den Folgen von Quecksilberbefall arrangieren muss, folgt der Regisseur dem Weg der Wohngiftfallen, der über Brüssel und Europa führt und in Recycle-Unternehmen mündet, die die Quecksilber-Entsorgung äußerst nachsichtig behandeln. Die Verantwortlichen, so sie sich stellen, flüchten sich in Lobby-Floskeln. Das Erschreckende dabei ist, dass das Unterfangen sogar von Greenpeace unterstützt wird. Die Umweltschützer zitieren lediglich die uniformen Argumente der Kartelle, wonach dem Stromsparen die höchste Priorität zugeschrieben wird. Sämtliche Konsequenzen dieser Massentechnik, die jeglicher Grundlagenforschung entbehrt, scheinen unerheblich.
Von der Relevanz, von der (internationalen) Reichweite erlangt die Dokumentation Michael-Moore-Status. Auch inszenatorisch nähert sich Mayer dem bekanntesten Dokumentarfilmer der Welt an: Einzelschicksale eröffnen den Zugang zur Materie, komplexere Sachverhalte und historische Rückblicke werden anschaulich durch Trickfilmanimationen unterstützt, die Herangehensweise wirkt leichthändig und wohl strukturiert, der Regisseur bleibt hartnäckig, der Unterbau ist gut recherchiert. Im Unterschied zu Michael Moore verzichtet Mayr allerdings weitestgehend auf Polemik und bewegt sich hinter der Kamera, erhebt sich also nicht selbst zum Teil der Inszenierung. Mayr bleibt bei der Sache, nicht bei sich.
„Bulb Fiction“ ist ein Dokumentarfilm, der etwas verändern könnte, wenn ihn die Menschen sehen. Was Mayr hier plastisch aufarbeitet, ist schlicht ein Skandal, der zum Himmel schreit.
(Hartmut Ernst)

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