
A Sad and Beautiful World
Libanon, USA, Deutschland, Saudi-Arabien, Katar 2025, Laufzeit: 110 Min., FSK 12
Regie: Cyril Aris
Darsteller: Mounia Akl, Hassan Akil, Julia Kassar
Romantisches Drama
Libanesische Liebe
„A Sad and Beautiful World“ von Cyril Aris
Bereits in den ersten Sekunden von Cyril Aris Spielfilmdebüt wird deutlich, welche Art von Geschichte hier erzählt wird: Wackelige Kamerabilder zeigen die Geburt zweier Babys im selben Krankenhaus – das noch währenddessen von heftigen Bombeneinschlägen erschüttert wird. Während die Neugeborenen ihre ersten Schreie überhaupt verlauten lassen, schreien die anderen Menschen dort um ihr Leben. Selten lagen Schönheit und Schmerz, Anfang und Ende des Lebens so nah beieinander – und selten vermag es ein Film, bereits in den ersten Sekunden zu Tränen zu rühren. „A Sad and Beautiful World“ schafft es.
In der Folge sehen wir eine Reihe zusammengeschnittener Heimvideos von Yasmina und Nino, den beiden während der Bombenanschläge geborenen Babys. Wir sehen sie im Schnelldurchlauf aufwachsen, bis die Geschichte im Hier und Jetzt ankommt – und sich Yasmina (Mounia Akl) und Nino (Hasan Akil) mit Mitte 30 zufällig über den Weg laufen, nachdem sie sich lange aus den Augen verloren haben. Yasmina ist erfolgreiche Geschäftsfrau und arbeitet für eine Bank, Nino führt mit chaotischem Stil das Restaurant seiner verstorbenen Eltern. Das Leben im Libanon ist weitgehend friedlich, vom drohenden Krieg mit Israel ist vorerst nichts zu spüren.
Nino bittet Yasmina hartnäckig um ein Date, bis diese sich nach dem ersten Widerstand darauf einlässt. Die Beziehung der beiden und ihr soziales Umfeld sind heiter, fröhlich, bunt. Es wird gelacht, geschrien, gestritten – immer lebendig, immer laut. Mit Yasminas plötzlicher und ungewollter Schwangerschaft verändert sich auch der Ton des Films – und die Stimmung im Libanon. Einige Jahre später, Yasminas und Ninos Tochter ist bereits geboren, beginnen sich die beiden zu entfremden. Das öffentliche Leben im Libanon ist zunehmend durch die Finanzkrise und den Krieg mit Israel belastet, Restaurants schließen, Menschen können kein Bargeld mehr in den Banken abheben, Hunderttausende flüchten. Auch Yasmina will den Libanon verlassen, fürchtet um die Sicherheit ihrer Tochter – Nino hingegen will bleiben, die Hoffnung nicht aufgeben. Wie, so lautet die Frage, die im Film von Anfang an mitschwingt, Kinder großziehen in einer Welt, in der es so viele Kriege gibt? Wie die Hoffnung, den Glauben, die Liebe nicht verlieren?
Es sind existenzielle Fragen, die der libanesische Regisseur Cyril Aris stellt – und mit seinem Spielfilmdebüt auf poetische und schmerzhaft schöne Weise beantwortet. Aris schrieb bereits seit 2019 an dem Skript und verarbeitete darin seine eigenen Erfahrungen aus seinem Leben im Libanon. Völlig zu Recht wurde „A Sad and Beautiful World“als libanesischer Beitrag für die Kategorie Bester Internationaler Spielfilm der Oscars ausgewählt und gewann unter anderem den Zuschauerpreis beim Film Festival in Venedig. Aris gelingt mit seinem Spielfilmdebüt eine zutiefst berührende Geschichte in warmen Bildern, die zugleich zeitlos und aktueller denn je ist. Vielleicht, so denkt man am Ende, wird der Schmerz immer da sein – aber er wird erträglicher, wenn wir dennoch lieben, glauben und hoffen.

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