Jahreswechsel bieten Anlässe, Bilanz zu ziehen. Viel Gutes ist ja 2015 nicht passiert, den gemeinen Kölner juckt das aber so gar nicht, glaubt man einer Liste der am häufigsten in Köln gegoogelten Begriffe.
Denn nicht „Terrorangst“, „Klimawandel“, „Flüchtlinge“ oder „Krieg“ schafften es in die Top Ten. Das Schlagwort „Pützchens Markt“ auf Platz 9 und „Rock am Ring 2015“ auf der 5 widerlegen immerhin das Vorurteil, Köln drehe sich nur um Köln – denn für’s Amüsement reist man notgedrungen auch mal nach Bonn oder Mending.
Groß ist auch die Sorge um die Zukunft – wenn es um die Freizeitplanung geht, wie die Plätze 8 („Ferien NRW 2016“) oder 4 („Rosenmontag 2016“) bezeugen. Allenfalls Schlagworte wie „Henriette Reker“ (immerhin Platz 2), „Kögida“ (Platz 7) oder OB-Wahl (10!) zeugen von politisch-gesellschaftlichem Interesse. Allein Platz 1 gebührt einem Ereignis, das in seiner Bedeutung – für die Welt und für Köln – kaum zu überschätzen ist: „Köln Marathon“....
In der analogen Welt regt sich aber durchaus noch Engagement und politischer Widerstand, z.B. in Form der Initiative KMU (Kleine und mittelständische Unternehmen) gegen TTIP, mit dessen Vertreter Frank Immendorf wir anlässlich unseres Monatsthemas GERECHT STEUERN sprechen.
Am Theater ist man über den Widerstand hinaus und schon mitten im Krieg, der für Autor Wolfram Lotz einen Extremfall für die Kunst darstellt. Sein Hörspiel DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS legt unter der Regie von Martin Schulze am Theater der Keller den Finger in die Wunde unserer abgefuckten Aufgeklärtheit. Aufklärung über die verdrängt-verschwommene Vergangenheit wird auch in dem Stück „Bilder von uns“ gesucht. Noch vor der Uraufführung am Theater Bonn sprachen wir mit Regisseurin ALICE BUDDEBERG.
Visuell konservierte Vergangenheit präsentiert MARGHERITA SPILUTTINI mit der Ausstellung ihres Bildarchivs im Rahmen der abwechslungsreichen Schau ARCHIV DER RÄUME in der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur. Die BUNDESKUNSTHALLE BONN widmet sich mit JAPANS LIEBE ZUM IMPRESSIONISMUS. VON MONET BIS RENOIR der Nippon-Connection westlicher Malermeister.
Eine pessimistische Grundstimmung durchzieht auch unsere choice of choices ANOMALISA. Charlie Kaufmanns Stop-Motion-Puppenspiel ist ein emotional dichtes Meisterwerk, das nicht nur Hochglanzanimationsfilme aussticht, sondern besser als jeder Realfilm ist.
Auf Pilgerfahrt kann man sich – ohne Köln zu verlassen – mit JULIA VON HEINZ‘ filmischer Adaption des Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ begeben. Die Regisseurin verrät im Interview, warum sie den Film im Grunde nur für Hape Kerkeling gedreht hat. Auch JÜRGEN PROCHNOW, im Januar gleich mit zwei Filmen im Kino vertreten, treffen wir zum Gespräch.
Und der erste Geburtstag steht auch an: das Dokumentarfilmfestival STRANGER THAN FICTION wird 2016 volljährig und liefert vom 23.-31.1. wieder das pralle Leben mit aktuellen Produktionen aus aller Welt.
In diesem Sinne: Kommt gut rüber!
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