Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12

12.398 Beiträge zu
3.684 Filmen im Forum

Glückspfennig
Foto: HitToon.com / Adobe Stock

Aus der Krötenperspektive

27. Oktober 2019

Die Unsicherheit des Geldes

Mir wird vorgeworfen, ich regiere die Welt. Dabei regiere ich nichts. Ich werde regiert. Ich bin der Masochist in der sadistischen Finanzwelt. Ständig benutzen diese Schickimickis mich, um ihre Macht zu demonstrieren.

Gestern war es wieder so weit: Warren Buffet versuchte, mich in seine Brieftasche zu stopfen. Weil es dort aber zu voll war, purzelte ich kopfüber wieder hinaus und schoss auf den knallharten Boden. Meint ihr, es hätte eine Entschuldigung gegeben? Von wegen. Über Geld spricht man ja nicht. Da kann man es ruhig mal auf den Kopf hauen. Man hat ja genug Kröten.

Seitdem liege ich strampelnd als Schotter auf dem Schotter, und es wird über mich hinweggetrampelt. Von wegen „wer den Pfennig nicht ehrt.“ Während ich auf dem Asphalt liege, erspähe ich den Umriss eines Mannes, der mich hochhebt. „So viel Kohle finde ich selten! Bist du echt?“ fragt der Obdachlose mich. „Meinen Schmerzen nach zu urteilen: ja“, piepse ich in meinem Dämmer-Zustand. Jetzt bin ich also bei Siggi in der Jogginghosentasche und begleite ihn und seinen Kumpanen Atze als Knete ins Büdchen, wo ich unmittelbar in Alkohol umgetauscht werde. So abwechslungsreich sind mein Wohnsitz und mein Leben.

Zwischendurch wandere ich in diverse Schattenbanken und werde lieblos in Finanzoasen abgesetzt. Im Gegensatz zum Bälleparadies bei Ikea werde ich aber nicht wieder aus dem Småland abgeholt. Wie auch? Ich habe ja keine Eltern. Weil es in den Schattenbanken gar kein Sonnenlicht gibt, leide ich an Skorbut. „Oase“ klingt zwar himmlisch wie Cocktail am Pool mit Blick auf Palmen, ist aber in der Realität sehr trist. Anonym friste ich also mein deprimiertes Dasein in Luxemburg, wo einfach nichts geschieht, aber die Mächtigsten der Mächtigen mich benutzen, um ihre dämlichen Steuern zu hinterziehen. So habe ich auch schon mit Friedrich Merz den Black Rock erklommen. Immerhin. Es gibt mich als Asche und sogar in Form von Mäusen. Als Fake und in real. Ich werde nach Lust und Laune betatscht, beglotzt, gefuchst und durchleuchtet. Manchmal schießt man auch meinetwegen. Und: Wenn ich Pech habe, wirft man mich zum Fenster hinaus. Seit ich ständig nach meiner Echtheit gefragt werde, zermartert mich echte Existenzangst. Als Geldschein scheint alles scheinbar zu sein. Und weil Zeit Geld ist, sage ich jetzt mal „tschüss.“


Falsches Geld - Lesen Sie weitere Artikel
zum Thema auch unter: trailer-ruhr.de/thema und engels-kultur.de/thema

Aktiv im Thema

armuts-und-reichtumsbericht.de | Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2017.
bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2017/fa_bj_1707_Schattenbanken.html | Fachartikel der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über Schattenbanken.
youtube.com/watch?v=JR_UyV32Ba4 | Arte-Doku über die Schattenbank Blackrock.

Fragen der Zeit: Wie wollen wir leben?
Schreiben Sie uns unter meinung@choices.de.

Rebecca Ramlow

Neue Kinofilme

Takeover – Voll vertauscht

Lesen Sie dazu auch:

Im Dunklen ist gut Domino spielen
Funktion und Risiken von Schattenbanken

„Regulierung politisch schwer zu erreichen“
Finanzanalyst André Tomfort über Schattenbanken

Unbürokratisch helfen
Die Bürgerstiftung Köln finanziert soziale Projekte

Transparenz von Hinterzimmergesprächen – Vorbild Irland
Das irische Lobbyregister

Glosse