Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22

12.348 Beiträge zu
3.662 Filmen im Forum

Lisa Kirsch in Aktion
Foto: Meyer Originals

Alt und jung

27. Oktober 2016

„STILL(here)“ von Silke Z. – Tanz in NRW 11/16

Mit dem Altern ist das so ein Sache. Es kommt auf jeden zu. Da mag man „altern“ mit dem netteren „älter werdend“ ersetzen. Es kommt aufs Gleiche raus. Und wenn dieses Alterwerden mit dem Ansammeln von „Defiziten“ verbunden ist, dann liegt die Frage nahe, ob dies auch für Tänzer gilt. In ihrem neuen Tanzstück „STILL(here)“, das im Kölner Künstler Theater Premiere hatte, stellt die Kölner Choreografin Silke Z. diese Frage.

Pikant dabei: Das Alter der beiden Performer ist zwar ein echter Zahlerdreher: 62 / 26, aber längst nicht spiegelgleich. „STILL(here)“ ist ein perfekt choreografiertes Duett eines 62-jährigen Performers und einer 26-jährigen Tänzerin, die nicht nur in einen tänzerischen Dialog treten, sondern kokettierend in einen – natürlich – ungleichen Wettkampf. Er, Angus Balbernie: ein lebens- und tanzerfahrener Performer; sie, Lisa Kirsch: eine von überbordender Tanz- und Bewegungslust getriebene Tänzerin am Anfang einer viel versprechenden Bühnenkarriere. Beide zusammengeführt von der Kölner Choreografin Silke Z., die nach ihrem erfolgreichen Generationenprojekt „Unter uns“ und der Serie „Wie Leben geht“ jetzt den choreografischen Blick auf unsere älter werdende Gesellschaft richtet.

Dazu fokussiert sie ihren Blick im Tanzstück auf den älteren Darsteller, lässt jung und alt ihre körperlichen Unterschiede und Bewegungsmöglichkeiten ausloten. Es ist ein Duett der besonderen Art, dessen erster Teil der Jugend gehört und Lisa Kirsch die Gelegenheit gibt, ihren ganz persönlichen tänzerischen Ausdruck mit technischem Können zu untermauern. Da fliegen die Arme, rotiert der Körper oder er biegt sich wie eine Weide im Sturm, um aus dieser Spannung gleich wieder nach vorn zu schnellen und in pirouettengleichen Drehungen oder bodennahem Gleiten zu münden. Mit „Tick of the Clock“ von den Chromatics wurde dem Tanz eine ebenso beziehungsreiche wie in Rhythmus und Dynamik passende Musik zur Seite gestellt.

Unermüdlich tickt die Uhr. Das bringt Angus Balbernie allerdings nicht aus der Ruhe. Er zeigt, dass er auch mit 62 noch „still here“ ist. Zuerst sind es kleine Bewegungen der Hand, dann wippt ein Bein einen inneren Rhythmus mit, um nach und nach den ganzen Körper in eine wunderbare, altersadäquate Bewegungsharmonie zu bringen. Leicht, spielerisch und völlig unaufgeregt tastet er sich dabei an seine körperlichen Möglichkeiten heran. Er macht keine großen Sprünge, aber eine Anmutung davon liegt in jeder Phrase. Er übersteigert schon mal eine Bewegung ins Komische und schafft letztlich eine andere Art tänzerischer Ästhetik. Qualitäten, die Silke Z. für ihr künstlerisches Schaffen sehr schätzt: „Angus Balbernie hat einen faszinierend präzisen und außergewöhnlich humorvollem Blick auf (seinen) Körper, Choreografie und die (Tanz-)Welt, der in meinen Produktionen verbal und tänzerisch zum Ausdruck kommt. In der gemeinsamen Arbeit erzeugen wir dann häufig tragisch-komische Momente, die ich sehr mag und die die Zuschauer berühren.“ – „STILL(here)“ ist der erste Teil einer größeren Ensemblearbeit über das Älterwerden.

„STILL(here)“ | Ch: Silke Z. | Fr 9.12, Sa 10.12. 20 Uhr | ehrenfeldstudios | 0221 222 666 3

Klaus Keil

Neue Kinofilme

Jumanji: The Next Level

Lesen Sie dazu auch:

Gott tanzt – Das Festival tanz.tausch in Köln
Das Festival tanz.tausch in Köln – Tanz am Rhein 12/19

Nachgeahmtes Leben
„Pasionaria“ von La Veronal im Depot – Tanz 11/19

„Alternative Haltungen zum Altern finden“
Antje Velsinger über die Tanzproduktion „dreams in a cloudy space“ – Interview 11/19

Das erregende Moment der Bewegung
Festival Tanzrauschen in Wuppertal – Tanz in NRW 11/19

Nicht reden, sondern machen!
Festival „Urbäng!“ bietet starkes Programm – Tanz am Rhein 10/19

Geburtstagstänzchen
„Invasion“ zum Offenbachjahr im Orangerie-Theater – Tanz 09/19

„Unser Verhältnis zur Entspannung“
Philine Herrlein und Jennifer Döring über „Paraproximity“ – Tanz 09/19

Tanz.