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Seegraswiese im Mittelmeer
Foto: Damedias / Adobe Stock

Neptungras for Future

25. Oktober 2022

Schutz von Seegraswiesen im Mittelmeer – Europa-Vorbild: Kroatien

Neptungras (Posidonia oceanica) ist nicht einfach nur irgendein Meeresgewächs, sondern es bildet ganze Seegraswiesen, die als Heimat für drei Viertel aller Arten des Mittelmeers dienen – und die besonders wichtig für Brut und Aufzucht sind. Außerdem erfüllt es neben dem Erhalt der Biodiversität wichtige Funktionen für den Lebensraum Mittelmeer: sein Wachstum verhindert die Erosion von Stränden. Und nicht nur der Mittelmeerraum profitiert von intakten Seegraswiesen, denn diese können mehr CO2 speichern als die gesamten Regenwälder dieser Erde zusammen und tragen damit einen wichtigen Teil dazu bei, den Klimawandel zu verlangsamen. Aber: die Neptungraswiesen sind bedroht.

Seegraswiesen schrumpfen

In den letzten zehn Jahren sind etwa 25 Prozent der Seegraswiesen komplett verschwunden, bestehende Flächen dünnen immer weiter aus. Die im Mittelmeerraum endemische Art Neptungras wird seltener. Grund dafür sind direkte Beschädigungen, zum Beispiel durch das Ankern von Schiffen oder durch Schleppnetze, auch durch Düngemittel aus der Landwirtschaft, die über Flüsse ins Meer geleitet werden. In Kroatien gibt es deswegen ein neues Projekt, das gemeinsam mit kroatischen Tauchschulen, der Stiftung Meeresschutz und Project Mania auf die Beine gestellt wurde. Kern des Projekts: Jedes Seegras zählt, denn Seegraswiesen entstehen aus vielen einzelnen Pflanzen. Ihnen kann geholfen werden, indem Ressourcen gebündelt werden und die Öffentlichkeit einbezogen wird. Ein Citizen Science-Projekt liegt dann nahe.

Was ist Citizen Science?

Citizen Science bedeutet, dass nicht nur Wissenschaftler:innen oder Angestellte im öffentlichen Dienst sich an den Projekten zum Naturschutz und Arterhalt beteiligen können, sondern auch die Bürger:innen („Citizen“). Und im Falle dieses Projektes: vor allem die Urlauber:innen, die an die Adria kommen, um dort die Natur zu genießen. Diese können die Bemühungen zum Erhalt der Seegraswiesen auf zwei Weisen unterstützen: zum einen können sie ausgerissene Seegraspflanzen, die noch genügend Wurzeln besitzen, aufsammeln und in einem Tauchzentrum in ihrer Nähe abgeben. Zum anderen sind etwa im Juni die Samen des Neptungrases reif. Sie sehen aus wie kleine Oliven und können ebenfalls eingesammelt und abgegeben werden, wenn sie am Strand angeschwemmt werden. Sowohl die entwurzelten Pflanzen als auch die Samen werden dann von professionellen Tauchern wieder in den Meeresgrund eingesetzt. Bisher gibt es nur zwei solcher Annahmestellen seit dem Start des Projektes in diesem Sommer, aber eine flächendeckende Ausweitung ist geplant.

Tourismus und Artenschutz?

Seegraswiesen wiederherzustellen, damit sie weiter als Biotope der Artenvielfalt dienen und damit ihre grünen Blätter weiterhin CO2 aus unserer erhitzenden Atmosphäre speichern können – das ist nur ein Aspekt des neuen Projekts, das mit dem Citizen-Science-Prinzip arbeitet. Der zweite Aspekt ist einer, der für die Zukunft von Naturschutzprojekten immer wichtiger werden könnte: Durch die Beteiligung von Urlauber:innen werden alle „ins Boot geholt“. Seit Jahren wird immer deutlicher, welche Gefahren Massentourismus für Flora und Fauna von beliebten Urlaubsländern birgt – und wie wichtig es ist, dass beim Umwelt- und Artenschutz alle mit anpacken. Das Citizen-Science-Projekt zur Rettung der Seegraswiesen ist ein Beispiel für ein Projekt, dass versucht, beide Faktoren zu integrieren, und durch Sensibilisierung und das Mitmachangebot an Urlauber:innen einen Risikofaktor in einen Schutzfaktor zu verwandeln.


UNARTIG - Aktiv im Thema

biodiversity-plants.de/downloads/JD155.pdf | Die etwas ältere Mitteilung der Uni Hamburg diskutiert, welcher Lebensraum mehr Arten birgt: tropischer Regenwald oder europäischer Trockenrasen?
rote-liste-zentrum.de | Das Rote-Liste-Zentrum koordiniert die Erstellung der Roten Listen für Deutschland, die über gefährdete Arten informieren.
mpg.de/17678393/artenschutz-wikelski-jetz | Das Gespräch zwischen Mitarbeitern der Yale University und des Max-Plank-Instituts diskutiert das Verhältnis von Artensterben und Klimawandel.

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Miriam Brost

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