Für manchen frommen Kirchenmusiker steigt hier der Leibhaftige persönlich über die Königin der Instrumente. Cameron Carpenter heißt das erschreckende Wesen. Zum Konzert an der Orgel erscheint er im weißen hautengen Trikot wie ein Olympionike der Eisbahn.
2010 wurde nicht nur bei uns Kulturhauptstadtjahr gefeiert, sondern auch anderswo in Europa, im ungarischen Pécs und in Istanbul. Ausschnitte aus beiden Kulturen gab es entsprechend in Nordrhein-Westfalen zu sehen, etwa in der Reihe „Scene Ungarn in NRW“ mit Beiträgen aller Gattungen. Oder im Hagener Osthaus Museum mit der Istanbuler Kunstsammlung Humar Kabakcı, welche die Stadt am Bosporus als Zentrum der türkischen Avantgarde präsentierte, das Tradition mit Weltoffenheit paart und zwischen Ost und West vermittelt.
Als ich vor Jahren meinen Sohn zum ersten Mal mit nach London nahm, um ihn an meiner Musical-Leidenschaft teilhaben zu lassen – natürlich in der Hoffnung, sie würde sich auch auf ihn übertragen – wollte ich nach einer Woche Musical-Marathon wissen, welches ihm nun am besten gefallen habe.
Es weihnachtet auf den Bühnen – keineswegs nur auf denen der Kindertheater. Auch beim erwachsenen Publikum kommen märchenhafte Stücke zur Adventszeit gut an. So dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass Dortmunds scheidende Opernintendantin Christine Mielitz die Premiere von Antonin Dvořáks „Rusalka“ in den Dezember legte. Die romantische Tragödie der „tschechischen Undine“, die seit einigen Jahren vermehrt auf westlichen Bühnen auftaucht, ist der Inbegriff der Märchenoper.
Im Vergleich zu den Kapriolen der letzten Monate war es über 40 Jahre lang richtig ruhig und gemütlich rund um das Freizeitzentrum West. Der Laden, von Freunden und Anwohnern im Dortmunder Westen liebevoll FZW abgekürzt, war ein klassisch-sozialdemokratisches Stadtteilzentrum mit Jugend- und Kulturveranstaltungen verschiedener Art und, als besonderem Fokus, Pop-Konzerten. Den richtig großen Stars war der Club zwar immer zu klein, nicht wenige starteten auf den Bühnenbrettern des FZW aber Weltkarrieren.
Dass Düsseldorfs Tanz-Fans seit Jahren von der choreografischen Vielfalt und Produktionsfreude der Kölner Tanzszene profitieren, ist auch dem aufmerksamen Düsseldorfer Beobachter hinlänglich bekannt.
Als die Macher von RUHR.2010 im Dezember Bilanz zogen, war ihr Resumee bis auf die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg positiv. Mehr als 10 Millionen Besucher, das Ruhrgebiet als Kulturraum, Kooperationen der Städte, Stärkung der Ruhrmetropolen-Identität waren die Stichworte. Doch was hat RUHR.2010 eigentlich einem Theater wie dem in Oberhausen und seinem Intendanten Peter Carp gebracht?
Kerstin Maria Pöhler untersucht, warum Mozarts Papageno unverwüstlich ist.
Seine „Bühnen-Taufe“ erlebte der gebürtige Wuppertaler Patrick Stanke im bergischen Cronenberg. Nun ist er, nachdem er sich seinen Traum vom Musical-Star erfüllt hat, zurückgekehrt. Aber nicht als Schauspieler tritt er nun im TIC-Theater auf, sondern gibt mit dem Kult-Musical „Der kleine Horrorladen“ sein Regie-Debüt. Das größte Plus seiner Inszenierung ist die straffe Schauspieler-Führung, mit der er seine „Halbprofis“ sicher durchs Geschehen führt: Der Blumenladen-Angestellte Seymor rettet seinen Chef vor dem Ruin, indem er eine fleischfressende Pflanze als „Aushängeschild“ heranzüchtet, der es alsbald nach Menschenblut dürstet. Zuerst muss der sadistische Zahnarzt, dem Seymors Kollegin und heimliche Liebe Audrey hörig ist, dran glauben. Dann sein immer geldgieriger werdender Chef. Als die mittlerweile zum Monster herangewachsene „Audrey II“ auch noch ihrer Namensgeberin ans Blut will, versteht Seymor keinen Spaß mehr ...
Hunger kann in den Wahnsinn treiben – oder doch zumindest heftig die Wahrnehmung verzerren. Auf dieser These baut der holländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema seine Inszenierung der Humperdinckschen Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf, die das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier zeigt. Wenn sich dort die Kinder im Wald verirren, zeigt Dijkema keine Bäume, sondern surreal überdimensionale Gabeln und Steakmesser mit bedrohlich scharfen Spitzen und Kanten. Die Landschaft aus Besteck ist eine Vergrößerung des heimischen Esstischs.

Erfolge in dürren Zeiten
7. Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 05/26
Liebe gegen Perfektion
Uraufführung von Sarah Nemtzovs Oper „Wir“ in Dortmund – Oper in NRW 05/26
Altes Thema neu erzählt
„Picture a day like this“ an der Oper Köln – Oper in NRW 05/26
Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Werke der Meister
Die Scharf Collection im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 04/26
Der ganze Brahms
Vier Sinfonien an zwei Abenden in Dortmund – Klassik an der Ruhr 04/26
Intensiver Stoff
9. Internationales Bonner Tanzsolofestival – Tanz in NRW 04/26
Warmes Wummern
Larry Goldings Trio in Dortmund und Düsseldorf – Improvisierte Musik in NRW 04/26
Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Zwei Wahlberliner
Simon Rattle in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 04/26
Die Gitarre für jede Tonart
Hanno Busch in Gelsenkirchen, Köln und Viersen – Improvisierte Musik in NRW 03/26
Surreale Realitäten
Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26
In Bochum an der Themse
„Eine Bühne voller Händel“ im Bochumer Musikforum Ruhr – Klassik an der Ruhr 03/26
Chorstadt rund um den Dom
Drei Konzerte an einem Tag in Köln – Klassik am Rhein 03/26
Helden und große Gefühle
Die fulminanten Choreographien von Brig Huezo – Tanz in NRW 03/26
Unerhörte Musik
Festival Her:voice in Essen – Oper in NRW 03/26
Weg der Erleuchtung
„Awakening“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 03/26
Mit Flöte und Balafon
Jakob Manz European Jazz Night in Köln – Improvisierte Musik in NRW 02/26
Irrlichterndes Begehren
„Le Nozze di Figaro“ an der Oper Köln – Oper in NRW 02/26
Gleichheit und Freiheit
„Grund und Boden“ in K21 in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/26
Frischer Wind
Louis Philippson im Konzerthaus Dortmund – Klassik an der Ruhr 02/26
Nie erkaltender Stoff
„I Capuleti e i Montecchi“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 02/26
Keine Entspannung
Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
Ab in die Hölle
Zwei Opern mit Bezug zu Dantes „Inferno“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 01/26