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Rätselhafte Privilegien

27. September 2022

Intro 10/22 – Fremde Bräuche

Kultur ist so einfach wie rätselhaft, ganz selbstverständlich und doch schwer fassbar. Wer Kultur verstehen möchte, fragt – abstrakt gesprochen – danach, wie Handlungen und Gegenstände in der Welt verteilt und mit Bedeutungen versehen sind: Händeschütteln gehört vielerorts einfach dazu, ist anderswo verpönt; und seine Rolle hat sich wiederum in der Pandemie gewandelt. Ein Radio kann Unterhaltung bieten oder im Krieg letzte Quelle lebensentscheidender Informationen sein. Eine Seifenoper kann nerven oder einer armen Bevölkerung eine Ahnung vom Wohlstand in anderen Weltgegenden vermitteln. Ob Hobby, Klimawandel oder politischer Streit – alles ist auch Kultur; wie etwas in der Welt verteilt ist und was esMenschenbedeutet, versteht sich nicht von selbst. Im Monatsthema FREMDE BRÄUCHE nehmen wir kulturelles Geschehen dreifach in den Blick: Feste, Mode und Ideen. Mal mehr, mal weniger augenfällig zeigt sich hier, wie Kultur um die Welt geht.

Unsere Leitartikel verfolgen den Karneval von seinen rebellischen Anfängen bis in seine zahme Gegenwart, plädieren für einen respektvollen kulturellen Austausch, der den Streit um kulturelle Aneignung hinter sich lässt und fragen sich, wie große Ideen die Welt besser machen.

In unseren Interviews diskutiert die Kulturanthropologin Regina Bendix, wann sich öffentliche Feste in einer Gesellschaft etablieren, die ModeschöpferinBisrat Negassi erzählt, wie sie zur universellen Sprache der Mode gefunden hat und die Psychologin Heidi Keller vergleicht, wie Kinder in unterschiedlichen Gesellschaften erzogen werden.

In Köln erfahren wir, wie der Kulturbunker Mülheim die Ortsgeschichte mit transkultureller Arbeit verbindet, in Duisburg und Düsseldorf, wie dasTransformationscafé Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit ihrer geschlechtlichen Identität auseinanderzusetzen und in Wuppertal wie sich Amnesty International vor Ort für weltweite Menschenrechte einsetzt.

Zum Tod von Queen Elisabeth II. gab es großes Aufsehen um die Trauerkultur. Menschen waren tief betroffen, andere befremdet oder gar abgestoßen. Die Queen, von der Klatschpresse als Oberhaupt einer verhaltensauffälligen Familie inszeniert, wahrte die Form auch angesichts einer zunehmend enthemmten Politikkaste. Das mag nicht die geringste Leistung sein. Durch öffentliche Kritik an manch fragwürdigen Gesetz, das sie zu unterzeichnen hatte, hat sie sich allerdings nicht hervorgetan – mutmaßlich soll sie stattdessen Gesetze zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Schließlich war sie Oberhaupt der ehedem größten Kolonialmacht und prominenteste Vertreterin eines Systems, das Menschen qua Geburt gegenüber ganzen Völkern privilegiert. Demut angesichts der Kolonialverbrechen, heißt es, habe sie nicht bekannt, noch das Adelsprivileg infrage gestellt. Das mag nicht überraschen, kritikwürdig ist es allemal. Auch das ist Kultur. Diskussionskultur.

Dino Kosjak/Chefredaktion

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