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„Django Unchained“ erfreut sich einer breiten Fangemeinde und sorgte so für viele Kinobesucher
Foto: Presse

Hilft die Quote?

28. Februar 2013

Besuchsstudie zum vergangenen Kinojahr – Filmwirtschaft 03/13

Schon im letzten Monat haben wir es an dieser Stelle angedeutet, doch nun ist es amtlich. Die Filmförderungsanstalt hat im Vorfeld der Berlinale erstmalig den Gesamtumsatz mit Kinotickets als Aufmacher ihrer Presseerklärung herangezogen. Lag dieser doch in 2012 erstmalig über 1 Milliarde Euro, während der Filmbesuch mit einem Plus von 4,2% 135,1 Millionen Besuche erreichte. Damit sind die Kinobesuche des durchschnittlichen Deutschen auf 1,65 pro Jahr gestiegen. Bei einer durchschnittlichen Spielfilmlänge von 100 Minuten heißt dies, dass ein Pro-Kopf-Konsum im Kino bei 165 Minuten im Jahr liegt. Gegenüber 240 Minuten Fernsehen pro Tag steht dies in einer kaum messbaren Relation. Und doch gibt es immer wieder Filme, die die Menschen in Scharen ins Kino ziehen. Filme mit mehr als 6 Millionen Besuchern haben entweder eine ganz breite Fangemeinde, wie zum Beispiel „Der Hobbit“, oder aber sie sprechen ein ganz breites Publikum an, bis zu denen, die schon gar nicht mehr zu den regelmäßigen Kinogängern gezählt werden können. Im letzten Jahr erreichten dies die Filme „Ziemlich beste Freunde“ und „Skyfall“. Und auch der Genre-Film „Django Unchained“ lockt ein Publikum in die Kinos, das sonst jeden anderen Film mit einer vergleichbaren Brutalität strikt meidet. Doch die ironisch elegante Art, mit der Quentin Tarantino insbesondere seinen neuen Liebling Christoph Waltz inszeniert, zieht auch das Arthouse-Publikum an.

Doch was haben diese Filme gemeinsam? Zunächst einmal nichts, nur dass es sich in allen drei Fällen nicht um deutsche Filme handelt. Und dies scheint ein weiteres Phänomen der jährlichen Berichterstattung zu sein, dass der Marktanteil deutscher Filme mit 18,1% der zweitniedrigste in den letzten sechs Jahren war. Man kann es auch anders ausdrücken: Fehlt in einem Jahr eine Komödie von Bully Herbig oder Til Schweiger, dann liegt der Marktanteil unter 20%, sonst darüber. Insofern sieht es für 2013 gar nicht schlecht aus, da mit „Kokowääh 2“ von und mit Til Schweiger, aber auch mit „Der Schlussmacher“ von Schweighöfer deutsche Blockbuster ins Rennen geschickt werden.

So hat es auch nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Deutschen Marktanteils durch die FFA gedauert, bis die Diskussion um eine deutsche Quote im Kino erneut losgetreten wurde. Diese wurde allerdings relativ schnell von BKM Berndt Neumann, dem politischen Hüter der deutschen Filmwirtschaft, zum Erliegen gebracht, indem er sich klar gegen eine Quote aussprach und vielmehr forderte, dass sich künstlerische wie ökonomische Qualität am Markt durchsetzen müsse. Auch seien europäische Koproduktionen viel besser geeignet, den deutschen Film zu stützen.

Weitere interessante Daten werden über die Kinostruktur in Deutschland ausgewiesen. In den letzten sechs Jahren hat sich der Wandel der Kinolandschaft weiter fortgesetzt. Viele Neubauten und die Digitalisierung haben enorme finanzielle Anstrengungen bei den Unternehmen ausgelöst. Filme in 3D einerseits und der langsame Start von Exklusiv-Kinos mit höheren Preisen andererseits haben den durchschnittlichen Eintrittspreis relativ stark steigen lassen. Vernachlässigt man allerdings die 3D-Filme, so hat sich der Besuch eines normalen Spielfilms in den letzten Jahren nicht anders entwickelt als in der analogen Ära. Im Übrigen hat der Besuch von 3D-Filmen 2012 auch wieder leicht abgenommen: Er belief sich auf knapp 22%.

Die Digitalisierung fordert Opfer in der Struktur. In den letzten acht Jahren hat der Bestand an Kinos um 160 Spielstellen mit zusammen 215 Leinwänden abgenommen. Es sind also vor allem die kleinen Kinos mit nur einer oder zwei Leinwänden, die den technischen Strukturwandel nicht vollziehen konnten oder wollten.

KIM LUDOLF KOCH

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