
Sechswochenamt
Deutschland 2025, Laufzeit: 101 Min., FSK 6
Regie: Jacqueline Jansen
Darsteller: Magdalena Laubisch, Marc Fischer, Patrick Joswig
Berührendes Spielfilmdebüt
Autofiktional
„Sechswochenamt“ von Jacqueline Jansen
Während Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ gerade die Aufbruchsstimmung des französischen Films Ende der 1950er Jahre feiert, kommt ein deutscher Film in die Kinos, der irgendwie an jene Zeit der künstlerischen Freiheit und des innovativen Filmemachens erinnert. Genau wie ihre vermutlichen „Vorbilder“ hat die 1994 in Erkelenz geborene Jacqueline Jansen keine Filmhochschule von innen gesehen, sondern sich das „Handwerk“ autodidaktisch erarbeitet. Nach diversen Assistenzen im Bereich Produktion, Script, Schnitt und ersten Regieerfahrungen mit Kurzfilmen und Musikvideos folgte 2019 ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm „No Way Home“. Nun kommt nach einem regelrechten Spießrutenlauf durch die deutschen Filmförderungsanstalten, die allesamt das Projekt abgelehnt hatten, ihr erster Langspielfilm „Sechswochenamt“ in die Kinos: völlig unabhängig von TV-Geldern und Fördermitteln durch Spenden, Eigenmittel und Honorarrückstellungen produziert.
Der Film wurde im vorigen Jahr auf dem Filmfest München mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Kategorie Produktion ausgezeichnet, Magdalena Laubisch erhielt zudem den Preis als „Beste Darstellerin“. Der internationale Kritikerverband (FIPRESCI) kürte „Sechswochenamt“ als „Besten Film“. So trat der seinen Siegeszug durch die europäische Filmfestival-Landschaft an.
Schon mit der ersten Szene beweist Jacqueline Jansen ihr inszenatorisches Talent: Lore wacht im Hospiz neben ihrer krebskranken Mutter. Da entfährt der dem Tode Geweihten ein letzter Seufzer. Übermannt von Schmerz und Trauer streichelt die Tochter zärtlich über das Gesicht der geliebten Mutter. Lores Blicke und Gesten werden zum „Markenzeichen“ der sensiblen Darstellung durch Magdalena Laubisch.
Jansen erzählt die Geschichte mit fast dokumentarischer Genauigkeit und in schnörkellosen Bildern (Kamera: Markus Ott). Inspiriert vom Tod der eigenen Mutter während der Coronapandemie und gedreht in der eigenen niederrheinischen Heimat ergibt sich so eine autofiktionale Geschichte, die weit über das Persönliche hinausreicht. Selbst von ihrer sich „ausklinkenden“ Schwester alleingelassen mit ihrer Trauer und überfordert mit der Organisation der Beerdigung versucht Lore ihrer Mutter wenigstens den letzten Wunsch, eine Seebestattung, zu ermöglichen. Doch da Gesetz und Kirchenrecht genauso dagegen sind wie die eigene Großmutter, ermöglicht erst ein mit allen Wassern gewaschener Bestatter das illegale Vorhaben. Aber auch mit einer bigotten Nachbarin der Mutter und einem mehr an Mutters Möbeln als an ihrem Seelenheil interessierten Pfarrer muss sich Lore herumschlagen.
Diese ständige emotionale Achterbahnfahrt ist auch eine meisterhaft bestandene schauspielerische Tour de Force von Magdalena Laubisch, die unter Jansens präziser Schauspielführung den Film trägt. Dabei lässt sie fast vergessen, dass Jansen wegen dem niedrigen Produktionsbudget Stadt und Land optisch nicht einbeziehen konnte. Immerhin entführt uns der Dialekt der meisten Protagonist:innen in diese selten bespielte Landschaft unserer Republik.
(Rolf-Ruediger Hamacher)

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