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Alles ist Eins. außer der 0

Alles ist Eins. außer der 0
Deutschland 2019, Laufzeit: 96 Min., FSK 6
Regie: Klaus Maerk, Tanja Schwerdorf
>> www.neuevisionen.de/de/filme/alles-ist-eins-ausser-der-0-11

Dokumentation über die Geschichte des Chaos Computer Club

Für freien Informationsfluss
"Alles ist eins. Außer der 0“ von Klaus Maeck & Tanja Schwerdorf

An der Schnittstelle von Hippie-Ideologie, den Grünen, Punk, Informatik-Strebertum und Science Fiction-Fantum gründet sich 1981 in Hamburg der Chaos Computer Club. 40 Jahre später ist der CCC nicht nur weltweit eine der ältesten, sondern auch die größte Hackervereinigung Europas. Wie es dazu kam, erzählen Klaus Maeck („B-Movie. Lust und Sound in West-Berlin 1979 – 89“) und Tanja Schwerdorf in ihrer Dokumentation „Alles ist eins. Außer der 0“. Dabei setzen sie einen klaren Fokus auf den sympathischen Gründer Wau Holland.

Nach einem angebrochenen Studium gründet er Anfang der 80er Jahre mit klaren ethischen Richtlinien den CCC. Die Gründung vollzog sich am Redaktionstisch der ebenfalls noch ganz jungen taz in Berlin. Wau und seinen Mitstreitern war es wichtig, dass die Möglichkeiten der Computer und der damit einhergehende Informationsfluss allen zugänglich ist. In den folgenden Jahren machte sich der CCC durch Aktionen wie den Btx-Hack auf den Bildschirmtext der Bundespost oder im Zuge des Reaktorunfalls in Tschernobyl durch die Weitergabe von Hintergrundinformationen zum Unglück, die von der Bundesregierung zurückgehalten wurden, einen Namen. Mitte der 80er Jahre führte eine von den ethischen Grundsätzen abweichende Aktion einiger Mitglieder zu einem weiteren Fall, als geheime US-Daten an den KGB verkauft wurden. Der Regisseur Hans-Christian Schmid hat den Fall 1998 in seinem Spielfilm „23 – Nichts ist so wie es scheint“ mit August Diehl verfilmt.

Klaus Maeck und Tanja Schwerendorf streifen diese sensationellen Momente, konzentrieren sich aber weiterhin auf die eigentlichen Ideale des CCC, die in den ersten zwanzig Jahren am deutlichsten von dem 2001 mit nur 49 Jahren viel zu früh gestorbenen Wau Holland repräsentiert werden. Dessen libertäre und pazifistische Prägung speist sich ebenso wie bei der us-amerikanischen Genealogie von der Hippiekultur zum Silicon Valley, für die ein Aktivist wie Stewart Brand wohl am prägnantesten steht, aus der Gegenkultur der 60er- und 70er-Jahre. Die Hoffnung, die Welt mit Hilfe des technologischen Fortschritts zu einer besseren zu machen, teilte die Linke bei den Grünen der 80er Jahre, die eher dazu neigten, den Computer zu verteufeln, allerdings nur selten.

Solche Einordnungen gelingen der Dokumentation trotz einigen Wirrwarrs auf der Zeitachse sehr gut. So wird die damalige Zukunftssorge vor einer Datenüberwachung ebenso einsortiert wie die Euphorie über die neuen Möglichkeiten des demokratischen Flusses von Information. Nicht nur die Zeitsprünge, auch die editorischen Sprünge sind mitunter eine Herausforderung an den Zuschauer. Allerdings trägt der CCC nicht umsonst das Wort ‚Chaos‘ im Titel. Ein glatter Abriss zu einer solchen Graswurzelbewegung wäre wohl kaum passender gewesen. Und so ist „Alles ist eins. Außer der 0“ eine mit viel zeitgenössischem Archivmaterial ausgestattete auch visuell wilde Reise in die Frühzeit der Heimcomputer und die damit verbundenen politischen und sozialen Implikationen. Wau Hollands 20  bis 30 Jahre alte Einschätzungen von Segen und Fluch des Internets kann man erstaunlicherweise 1:1 in die Gegenwart übertragen.

(Christian Meyer-Pröpstl)

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