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Foto: Birgit Hupfeld

Menschliche Eitelkeit

28. Mai 2024

„Ein Sommernachtstraum“ in Köln – Theater am Rhein 06/24

Es ist ganz einfach: König Theseus unterwirft die Amazone Hippolyta zur Gattin. Hermenia liebt Lysander, muss aber nach ihres Vaters Willen den Demetrius ehelichen. Helena ist verrückt nach Demetrius, er jedoch allergisch gegen sie – und zwischen Elfenkönig Oberon und seiner Gattin Titania bestimmen Sonntage mit Dauerregen die einst sommerdurchfluteten Nächte. Zum Auflauf der Egozentriker:innen gesellt sich eine Schauspieltruppe, die das Hochzeitsfest des Herrschers zu bespaßen hat. Dem Talentiertesten unter ihnen gelingt gar das Kunststück, sich in ein Esel-Einhorn zu verwandeln. Ein gewisser Puck, dessen Herz nur für seinen Dominus Oberon schlägt, soll Ordnung in den Gefühlswahn bringen.

Gabriella Bußacker und Jan Bosse spinnen den Erzählstrang aus der Feder von Mister Shakespeare in die Ewigkeit weiter. In einer modernen Inszenierung samt Live-Musik werden die zeitlosen menschlichen Eitelkeiten offengelegt. Das Publikum feiert das Narrentreiben, obgleich es selbst als Abbild der Rollen dient. Nicht die Liebe ist hier Protagonistin, sondern das Ego. Arthur Schopenhauers „Welt als Wille und Vorstellung“ könnte nach Lektüre des Stückes eine Initialzündung erfahren haben. Anno 2024 entfacht das Ensemble am Schauspiel Köln nach holzfällerischer Glanzleistung zur Aufschichtung des Elfenthrons plus Zubereitung des halluzinogenen Vollmond-Trunks ein sprach- wie bildgewaltiges Opus. Der „Sommernachtstraum“ wirft nach wie vor mächtige Schatten, die den Eigennutz ins Kostüm der Komik kleidet. Für immer Nacht.

Ein Sommernachtstraum | 29., 31.5., 2., 6., 7., 15., 16.6. | Schauspiel Köln, Depot 1 | 0221 22 12 84 00

Thomas Dahl

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