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Guanyin, Nordchina, Jin-Dynastie, 12./13. Jh., Holz,teilweise bemalt, H 90 cm, Museum Rietberg Zürich
Foto: Museum Rietberg

Blick in die Karten

29. Oktober 2015

„Weltkunst“ in Wuppertal – Kunst in NRW 11/15

Wie schafft es das nur! In der allgemein finanziell schwierigen Lage, in der zu allem Unglück die eigene Kommune kulturfremd agiert, gehört das Wuppertaler Von der Heydt-Museum zu den meistbeachteten Kunst-Instituten in NRW. Jahr für Jahr sind hier sensationelle Ausstellungen zur Klassischen Moderne zu sehen. Das ist auch jetzt der Fall, bei der Ausstellung „Weltkunst“, die mittelalterliche Skulpturen, außereuropäische Werke sowie vor allem Gemälde und Plastiken der Jahrzehnte vor und nach 1900 umfasst. Damit aber lässt sich das Von der Heydt-Museum in die Karten blicken: Es zeigt Teile seiner Sammlung. Diese wiederum ermöglicht einen produktiven Leihverkehr mit anderen Museen, als Grundlage weiterer Ausstellungen zu diesen Epochen. Vorgestellt wird nun also die einstige Sammlung von Eduard von der Heydt (1882-1964), so wie sie dieser – anschließend an die Werke, die sein Vater August gestiftet hatte – dem Von der Heydt-Museum bzw. dem Museum Rietberg in Zürich geschenkt hat. Zu sehen sind Meisterwerke von Van Gogh, Kokoschka, Munch oder Picasso, klug verzahnt mit der mittelalterlichen und außereuropäischen Kunst, die hierfür ausgeliehen wurde. Dies initiiert eine überraschende Neubetrachtung der einzelnen Werke. Zugleich skizziert die Ausstellung die Biographie von Eduard von der Heydt, ja, sie rekonstruiert ansatzweise seine Wohnsitze mit den dortigen Präsentationen.

Die Familie stammt aus Elberfeld, die Leidenschaft für die Kunst hat der Vater entfacht, zur „Weltkunst“ wurde die Sammlung durch den Sohn, in der Intention übrigens ähnlich wie Karl Ernst Osthaus in Hagen. Eduard von der Heydt beschäftigte sich ab 1905 mit der Philosophie und Kunst Asiens; 1920 hat er erstmals afrikanische Skulpturen in Paris erworben. Gemeinsam mit seinem Bruder konnte er 1922 die elterliche Kunstsammlung erwerben, wodurch er sich wieder stärker der europäischen Moderne zuwandte. Von der Heydt, der als Jurist zunächst im Auswärtigen Dienst, dann als Berater des Kaisers in Holland tätig war und später zeitweilig Mitglied in der NSDAP war, lebte seit 1920 in Zandvoort, wo er ein Gebäude am Strand auch für seine Sammlung umgebaut hatte. 1926 erwarb er die Lebensreformsiedlung auf dem Monte Verità, die er zu einer Hotelanlage umwidmete und wo er auch starb. Zwei Jahre zuvor, 1962, wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Wuppertal ernannt, zu der er, trotz seiner Wohnort-Wechsel in Krisenzeiten und obzwar seine Werke zeitweilig auf 69 Museen in Europa und den USA verteilt waren, immer in Kontakt geblieben war. Etliche Kunstwerke sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen, aber was erhalten blieb und an das Wuppertaler Museum ging, ist vorzüglich. Die Ausstellung präsentiert sie als substanziellen Einblick in die Geschichte der Kunst.

„Weltkunst. Die Sammlung Eduard von der Heydt“ | bis 28.2. | Von der Heydt-Museum Wuppertal | 0202 563 26 26

Thomas Hirsch

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