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„Irma La Douce“
Foto: Kerstin Brandt

Zu Unrecht vergessen

21. Dezember 2017

„Irma La Douce“ am Aachener Grenzlandtheater – Musical in NRW 01/18

Nach der deutschen Erstaufführung von „Love Story“ in der letzten Spielzeit hat sich der Musical-Hausregisseur des Grenzlandtheaters, Ulrich Wiggers, nun einem fast vergessenen Musical angenommen: „Irma La Douce“. Die Musik des 1956 in Paris uraufgeführten Musicals stammt von Marguerite Monnot, das Buch und die Liedtexte schrieb Alexandre Breffort. Als erstes französisches Musical schaffte es den Sprung ans Londoner Westend (1958) und an den Broadway (1960). In Deutschland wurde das Musical seit seiner Erstaufführung (1961) selten gespielt, erlangte aber durch die Verfilmung (1963) von Billy Wilder große Popularität. Leider strich Wilder alle Songs aus dem Libretto, übernahm nur drei Melodien und verließ sich ganz auf das komödiantische Talent seiner beiden Hauptdarsteller Shirley MacLaine und Jack Lemmon. Das großartige Musiker-Quartett unter der Leitung von Damian Omansen erweckt nun die wunderschönen Melodien von Marguerite Monnot wieder zum Leben und entführen uns stimmungsvoll ins Pariser Rotlichtviertel der 50er Jahre.

Ein wegen seiner Übereifrigkeit von seinem korrupten Vorgesetzten entlassene Polizist Nestor verliebt sich in die naive Prostituierte Irma und spannt sie ihrem brutalem Zuhälter aus. Da er rasend eifersüchtig auf Irmas Kundschaft ist, schlüpft er selber in die Rolle des wohlhabenden, älteren Lord Oscar und wird ihr einziger Freier. Die nervenaufreibende Doppelgängerei nimmt erst ihr Ende, als Nestor des Mordes an dem plötzlich verschwundenen Oscar verdächtigt wird. Nach Flucht aus dem Gefängnis und anschließender Rehabilitierung landet er schließlich mit der schwangeren Irma vor dem Traualtar.

Während im Original Nestor ein Jura-Student ist, ist er hier (wie schon im Film) Polizist. Und noch etwas hat Wiggers von Wilder „gelernt“: das perfekte Komödientiming. Dass das so reibungslos auf der von Leif-Erik Heine fantasievoll eingerichteten Bühne abläuft, liegt auch am spielfreudigen Ensemble, dessen Zuhälter-Quintett (Robert Meyer, Ricardo Frenzel Baudisch, Nicolai Schwab, Jan Altenbockum, Stefan Schmitz) auch schon mal in Pumps die Bordsteinschwalben gibt.

Olaf Meyer führt als Barkeeper und Erzähler launig durch die verworrene Geschichte, der natürlich die beiden Hauptdarsteller ihren Stempel aufdrücken: Maxine Kazis mit Broadway-verdächtigen Musical-Qualitäten, die sie dann mit dem von Wiggers „fremdeingeführten“ Monnot-Piaf-Welthit „Mylord“ toppt. Oliver Urbanski (Nestor/Oskar) kann ihr da leider gesanglich nicht folgen, überzeugt aber schauspielerisch vor allem in der Rolle des wohlhabenden Freiers Oskar. Ein äußerst unterhaltsamer Abend, dessen Show-Stopper „Ah! Dis-Donc, Dis-Dong, ich will noch nicht ins Bett“ zum Programm wird.

Und noch ein Musical-Tipp: Vom 9. bis 14.1. macht Regisseur und Choreograf Joey McKneelys mit seiner „modernisierten“ Inszenierung des Musical-Klassikers „West Side Story“ Station im Kölner Musical-Dome. Ein Muss für jeden Musical-Fan und die, die es noch werden wollen!

„Irma La Douce“ | bis 22.1. | Grenzlandtheater, Aachen, anschließend kleine Tournee | 0241 47 46 111

„West Side Story“ | 9.-14.1. | Musical Dome, Köln | 0221 577 90

Rolf-Ruediger Hamacher

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