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Elisabeth Hübert in „Chicago“
Foto: Thilo Beu

Nur ein paar (Stepp-)Schritte vom Broadway entfernt

29. September 2021

„Chicago“ an der Bonner Oper – Musical in NRW 10/21

Das 1975 uraufgeführte „Chicago“ von Fred Ebb und Bob Fosse (Buch), John Kander (Musik) und Fred Ebb (Liedtexte) erzählt eine – auf wahren Begebenheiten beruhende – Story aus den 1920er Jahren, als noch Zeitungen und Radio die Sensationsgier der Masse bedienten. Dabei verbindet das Musical ein Stück amerikanischer Kulturgeschichte mit dem swingenden Groove des frühen Jazz zu einer immer noch aktuellen Mediensatire, deren Gute-Laune-Zynismus jeden sich zaghaft erhebenden, moralischen Zeigefinger mit musikalischer Verve wegfegt.

Während Bettina Mönch die verruchte Tänzerin Velma Kelly gibt, die wegen zweifachen Mordes in Untersuchungshaft sitzt, schlüpft Elisabeth Hübert – stimmlich, darstellerisch und tänzerisch gleichermaßen überzeugend – in die Rolle der naiv-abgebrühten Roxie Hart, die in angeblicher Notwehr ihren Geliebten erschossen hat. Im Gefängnis treffen der Nachtclub-Star und ihr größter Fan aufeinander. Unter den korrupten Fittichen der Knast-Matrone Mama Morton (Dionne Wudu – deren Vorname sich als stimmliches Versprechen entpuppt) buhlen sie fortan um die Gunst des verschlagenen Star-Anwalts Billy Flynn („Tarzan“ Anton Zetterholm), der wie kein anderer die Medien zu manipulieren versteht. Flynns Lügengebäude beschert den beiden Frauen schließlich den erhofften Freispruch und eine gemeinsame Show-Karriere.

Gil Mehmerts Regie lebt vor allem von ihrer mitreißenden Wucht, die jedem Auftritt seiner Protagonisten, Charme, Humor und vor allem das „Chicago“-eigene „All that Jazz“-Feeling verleihen. Seine inszenatorischen Einfälle, wie die im Stil eines Kasperle-Theaters gestaltete Pressekonferenz mit Roxie als überlebensgroße Marionette, die symbolische „Kreuzigung“ einer von Mama Morton fallengelassenen und zum Tode verurteilten Mörderin auf einem bühnenfüllenden Paragraphen oder die zu einer Pole-Dance-Bar umfunktionierten Gefängniszellen, sind von einer erstaunlichen Raffinesse, die auch ein Schlaglicht auf die Zusammenarbeit mit seinem kongenialen Bühnenbildner Jens Kilian werfen. Das Orchester unter dem Dirigat von Jürgen Grimm verleiht der Show den letzten Glanz und den explosiven, erotisch aufgeladenen, Choreographien von Jonathan Huor fehlen eigentlich nur ein paar (Stepp-) Schritte, um am Broadway anzukommen.

Chicago | 3.10. 18 Uhr, 14., 23.10. je 19.30 Uhr | Theater Bonn – Opernhaus | 0228 77 80 08

Rolf-Ruediger Hamacher

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