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Foto: Andreiuc88 / Adobe Stock

Wildnis im Kleinen

02. September 2020

Mit Unordnung gegen das Artensterben

 

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion wird immer länger, der WWF spricht vom „größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier-Zeit“: Bis zu eine Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben. Hauptverursacher für den Biodiversitätsverlust ist in Deutschland die intensive Landwirtschaft, deren Monokulturen Wildblumen und damit Insekten verdrängen. So sind hierzulande fast 40 Prozent der 8650 Wildpflanzen gefährdet, dieInsektenmasse ging in den letzten neun Jahrenum 41 Prozentzurück. Und längst ist vom großen Vogelsterben die Rede. Ungenutzte Areale, auf denen sich die Natur frei entfalten könnte, gibt es kaum noch: Was nicht landwirtschaftlich genutzt wird, wird in Bauland oder Verkehrsflächen umgewandelt – täglich eine Fläche groß wie Frankfurt am Main.

Der artenreichste Lebensraum ist der Wald. Mitteleuropäische Buchenwälder sind Heimat für 4300 Pflanzen- und Pilz- sowie 6700 Tierarten. Mit einem Drittel bewaldeter Fläche gehört Deutschland zu den waldreichsten Ländern Europas. Jedoch: 97 Prozent sind Nutzwald, ein Viertel naturferne Nadelforste, die kaum Vielfalt zulassen und außerdembesonders anfällig für Klimaschäden sind. Bei einer Fahrt durchs Mittelgebirge wird sichtbar: Immer wieder finden sich vertrocknete oder bereits geräumte Areale.„Die Dürre-Sommer 2018 und 2019 haben gezeigt, wie anfällig unsere Wirtschaftswälder gegenüber sich ändernden Umweltbedingungen sind“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Zwar wurde schon in den 90er Jahren mit dem Waldumbau hin zu heimischen Buchenwäldern begonnen. Doch selbst die haben mit Dürrestress zu kämpfen. Naturschutzorganisationen wie der NABU fordern daher naturnahe Waldnutzung. Denn neben einer größeren Artenvielfalt haben wilde Wälder ein höheres Potential, mit dem Klimawandel fertig zu werden. Vor allem Totholz bietet Insekten, Pilzen und seltenen Vögeln Lebensraum. Außerdem kann es besonders viel Wasser und Kohlenstoff speichern. Der bei seiner Zersetzung entstehende Humus erhöht wiederum die Wasserspeicherkapazität des Bodens.Das 2007 selbstgesteckte Ziel der Bundesregierung,bis 2020 zumindestfünf Prozent des deutschen Waldes in Naturwald umzuwandeln, wurde aber verfehlt.

Trend Waldgarten

So muss jeder Einzelne aktiv werden und vor allem umdenken. Der deutsche Ordnungssinn auch im eigenen Garten ist kontraproduktiv. „Haben Sie Mut zur Wildnis! Lassen Sie die Brennnesseln einfach stehen, pflanzen Sie einheimische Beerensträucher“, rät Hans-Joachim Fünfstock vom Landesbund für Vogelschutz. Auch Peter Berthold, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, plädiert für einen „g'schlamperten“ Garten. Denn: Mit einer Fläche so groß wie alle Naturschutzgebiete könnten wilde Hausgärten ein Viertel der gefährdeten Vogelarten retten.

Hoffnung macht auch der neue Trend Wald Gardening.„Ein Waldgarten besteht vorwiegend aus essbaren Pflanzen, die sich in mehreren Vegetationsschichten überlappen, ähnlich der Struktur von Wäldern“, erklärt Initiatorin Jennifer Schulz das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt, das vor allem in Berlin-Britz schon konkrete Formen angenommen hat. Die Vorteile: Urbane Waldgärten können das Klima in Großstädten verbessern, für mehr Biodiversität sorgen und Flächen vor weiterer Bebauung schützen. Und es gibt noch mehr Ideen:So wird in Berlin-Charlottenburg ein ehemaliger Friedhof zum Gärtnern genutzt, in Bremen wurde ein ungenutzter Platz entsiegelt und in eine Grünfläche verwandelt. Vielleicht sind wir ja doch noch zu retten.

 

www.koelnagenda.de | Der Verein begleitet seit den 90er Jahren die lokale Umsetzung ehrgeiziger Klima- und Umweltziele.
www.lanuv.nrw.de/klima/klimawandel-in-nrw/klimafolgen-in-nrw | Das Landesamt für Natur und Umwelt betreibt ein wissenschaftliches Klimafolgenmonitoring für NRW.
www.koelner-stiftung.de | Die Kölner Stiftung fördert jedes Jahr rund 10 bis 15 Projekte für Tier- und Artenschutz.

 

Julia Grahn

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