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06/19 Missbrauch und Kirche

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie choices & Co. das jeweils nächste Thema planen für choices/Köln, engels/Wuppertal und trailer/Ruhr
Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Thema Past Franziska, Foto: XL_lunamarina / Fotolia

Manchmal überzeugt sogar die Wahrheit nicht. Papst Franziskus hielt am Ende des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan fest: Kindesmissbrauch sei ein gesellschaftliches und kulturenübergreifendes Problem, finde statt im Familienkreis, in Vereinen und Schulen. Das ist wahr. Aber es war nicht genug aus dem Mund des Papstes. 3677 Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche nennt die im September 2018 vorgestellte Studie der Deutschen Bischofskonferenz, größtenteils begangen an männlichen Kindern und Jugendlichen. Ein deutliches Ergebnis, selbst dann, wenn zugegeben wird, dass die Studie zahlreiche Schwächen aufweist und eine vielfach höhere Dunkelziffer anzunehmen ist. Weltweit erschüttern ähnliche Befunde die Kirche. Unabweisbar scheint: Sexuelle Gewalt ist der Kirche auf irgendeine Weise eingeschrieben. Hinzu kommt, dass sie sich nicht dadurch hervorgetan hat, mit Ermittlungsbehörden zu kooperieren, Täter zu benennen und Opferschutz voranzubringen. Sie hat im Gegenteil beschwichtigt und vereitelt – ein Vorwurf übrigens, der auch die evangelische Kirche und ihren Umgang mit Missbrauchsfällen trifft. Die Erwartungen an den Vatikangipfel waren darum hoch. Ein klares kirchliches Schuldeingeständnis durch den Papst zählte dazu; die vorbehaltlose Öffnung interner Akten für Ermittlungsbehörden; eine Problematisierung der Berufsanforderungen für Priester und der kirchlichen Geschlechter- und Sexualmoral. Stattdessen verwies der Papst also zunächst auf sexuelle Gewalt in der Gesellschaft, was wie ein unfreiwilliges Eingeständnis wirken kann, die Dimensionen des Skandals nicht annähernd erfasst zu haben. Der Papst nutzte den Verweis aber auch, um die moralische Fallhöhe der Kirche zu betonen: Sexuelle Gewalt sei noch schärfer zu verurteilen, wenn sie durch Geistliche geschehe. Diese moralische Selbsterhöhung der Kirche kann allerdings wie Hohn wirken, stellt sie doch die Tragik der gefallenen Institution Kirche in den Mittelpunkt – nicht das Leid der Opfer. Theologisch mag es auch plausibel sein, wenn der Papst „das Böse“ verantwortlich für die Verbrechen macht. Den Opfern ist aber damit nicht geholfen. Ihnen wurde kein Leid durch eine umstrittene spirituelle Entität angetan, sondern sie sind in dieser Welt Opfer von Verbrechen geworden.

 

Medienteil EINS: Sexueller Machtmissbrauch

 

Schutzvorschriften für Kinder, namentlich das Verbot, mit Jungen Umgang zu haben, kamen schon vor Jahrhunderten in Klöstern auf. Forscher lesen daraus, dass sexuelle Übergriffe die Kirche grundsätzlich seit sehr langer Zeit begleiten; wenn auch das Ausmaß des Problems unklar bleibt. Verbreitet ist mittlerweile die Position, dass diesen Übergriffen durch eine zölibatäre Lebensweise grundsätzlich kein Vorschub geleistet wird. Allerdings könne ein verordneter Zölibat gerade für Menschen attraktiv sein, die ihre eigene Sexualität verdrängen, einem verantwortungsvollen Umgang damit ausweichen wollen. Das begründet keinen Generalverdacht gegen zölibatär lebende Geistliche (…)

 

Medienteil ZWEI: Randgruppe Frau


Mit dem Rücktritt der Redaktion der Frauenmagazins im Vatikan, ist einmal mehr die prekäre Stellung der Frau in der Katholischen Kirche offenbar geworden. Mit dem Rücktritt protestiert die Redaktion gegen eine männliche Bevormundung namentlich in der Berichterstattung über sexuelle Gewalt gegen Nonnen durch Geistliche, wo es sogar um Fälle „sexueller Sklaverei“ geht, wie Papst Franziskus mittlerweile bestätigte. Ein weiterer Skandal also um sexuelle Gewalt, der nur gegen größte Widerstände öffentlich gemacht werden konnte; wobei die Widerstände gegen die Aufklärung erneut ein eigener Skandal sind. Grundlegend stellen auch jene Frauen die Rolle der Frau in der katholischen Kirche infrage, die darauf bestehen, dass auch dort Priesterinnen wirken müssen – und die teils genau das bereits tun, oft mit Unterstützung männlicher Kollegen. Die Argumente gegen das Frauenordinat scheinen an Überzeugungskraft zu verlieren (…)

 

Medienteil DREI: Clanstruktur der Kirche


Mit dem Rücktritt der Redaktion der Frauenmagazins im Vatikan, ist einmal mehr die prekäre Stellung der Frau in der Katholischen Kirche offenbar geworden. Mit dem Rücktritt protestiert die Redaktion gegen eine männliche Bevormundung namentlich in der Berichterstattung über sexuelle Gewalt gegen Nonnen durch Geistliche, wo es sogar um Fälle „sexueller Sklaverei“ geht, wie Papst Franziskus mittlerweile bestätigte. Ein weiterer Skandal also um sexuelle Gewalt, der nur gegen größte Widerstände öffentlich gemacht werden konnte; wobei die Widerstände gegen die Aufklärung erneut ein eigener Skandal sind. Grundlegend stellen auch jene Frauen die Rolle der Frau in der katholischen Kirche infrage, die darauf bestehen, dass auch dort Priesterinnen wirken müssen – und die teils genau das bereits tun, oft mit Unterstützung männlicher Kollegen. Die Argumente gegen das Frauenordinat scheinen an Überzeugungskraft zu verlieren (…)

 

 

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