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Ayat Najafi zu Gast im Kölner Odeon.

Musik als Bedrohung

06. April 2017

„No Land’s Song“ im Odeon – Foyer 04/17

Mittwoch, 5. April: Vor rund einem Jahr war bereits der offizielle bundesweite Kinostart von Ayat Najafis neuestem Dokumentarfilm „No Land’s Song“, in dem er das engagierte musikalische Projekt seiner Schwester, der Komponistin Sara Najafi, mit der Kamera über mehrere Monate hinweg begleitet hatte. Doch nach Vorführungen des Films herrscht nach wie vor großer Diskussionsbedarf, weswegen der in Deutschland lebende iranische Filmemacher auch in diesen Tagen noch auf Kinotour ist und sich im Anschluss an die Vorführungen den zahlreichen Fragen des interessierten Publikums stellt. So machte er nun mit „No Land’s Song“ auch noch einmal Station im Kölner Odeon-Kino, wo er nach der Projektion des Films mit lang anhaltendem Applaus vor der Leinwand begrüßt wurde. Lisa Wagner vom Odeon-Kino war als Moderatorin des Abends zugegen, überließ das Gespräch aber schon schnell dem fließend Deutsch sprechenden Regisseur, der in einen munteren und tiefgehenden Dialog mit den Zuschauern trat und etliche Anmerkungen zum gerade Gesehenen geben konnte.

Lisa Wagner mit dem gut gelaunten Gast im Kinosaal

Hintergrund der Dokumentation ist die Tatsache, dass es im Iran seit der Revolution im Jahr 1979 für Frauen verboten ist, als Sologesangskünstlerinnen vor einem nicht rein weiblichen Publikum aufzutreten. Sara Najafi wollte mit diesem restriktiven Gebot brechen und versuchte, über offizielle Anträge ein Konzert mit weiblichen Solistinnen genehmigt zu bekommen, zu dem sie auch zwei französische und eine tunesische Künstlerin einlud. Nach etlichen Rückschlägen und vielen bürokratischen Hürden gelang ihr das im September 2013 dann tatsächlich. An den Schwierigkeiten habe sich aber seit dem Abschluss der Dreharbeiten bis heute nichts geändert, erläuterte der Regisseur. „Das Problem ist immer noch da. Aber es ist möglich, diese strikten Regeln zu durchbrechen, wie wir bewiesen haben. Mit mehr solchen Projekten und mutigen Musikern kann man etwas erreichen“, so Ayat Najafi. Besorgte Kölner Zuschauer wollten wissen, ob Ayats Schwester nach dem Konzerttermin Probleme mit der iranischen Regierung bekommen habe, was der Regisseur verneinte. „Saras Strategie hatte darin bestanden, alle Spiele der Regierung mitzumachen und auf deren Forderungen einzugehen“, kommentierte der Filmemacher. Es sei von Anfang an das Bestreben der Najafis gewesen, hier kein Underground-Konzert zu initiieren und dieses zu filmen, sondern eine Veranstaltung zu organisieren, die von offizieller Seite erlaubt werde und dabei dokumentarisch festzuhalten, welche Schwierigkeiten es dabei zu meistern galt.

Ayat Najafi beim Publikumsgespräch im Foyer

Für das schlussendlich doch genehmigte Konzert konnten die Veranstalter lediglich zehn Stunden Werbung über eine Facebook-Seite machen, bevor diese wieder geschlossen werden musste. Trotzdem bekundeten in dieser Zeit 300 Menschen ihr Interesse und erschienen dann auch tatsächlich vor Ort. Laut Ayat Najafi war es hilfreich, dass nicht nur das Konzert organisiert wurde, sondern alles auch in einem Film festgehalten wurde. Denn „No Land’s Song“ dokumentiert nun den Mut der Beteiligten und hat danach dazu beigetragen, dass in den Medien, auch den iranischen, über das Projekt berichtet wurde. „Iranische Medien verschweigen so etwas nicht, da haben die Deutschen ein einseitiges Bild von meinem Land, was mich schon etwas stört“, sagte der Regisseur in Köln. Für ihn war es nicht ganz so überraschend, dass das Konzert seiner Schwester und ihrer Sängerinnen am Ende dann doch genehmigt wurde. Die Gründe darin sieht Najafi zum einen in der Tatsache, dass auch einige internationale Musikerinnen zum Ensemble gehörten und der Iran auf internationaler Ebene schlechter dagestanden hätte, wenn die Genehmigung nicht erfolgt wäre. Zum anderen war wohl auch der Zeitpunkt günstig gewählt, da der Konzerttermin recht kurz nach der iranischen Präsidentschaftswahl des Jahres 2013 lag und sich die neue Regierung durch die Bewilligung in ein besseres Licht setzen konnte. „Das Leben im Iran ist wie ein Kartenspiel. Man muss immer wissen, mit welchen Karten man spielen darf“, fasste der Regisseur die Situation seines Heimatlandes zusammen, in dem seine Schwester Sara nach wie vor einen Großteil ihres Lebens verbringt. „No Land’s Song“ ist mittlerweile auch auf DVD erschienen und kann im Handel erworben werden.

Text/Fotos: Frank Brenner

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