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Lukas Schulte, Arndt Klocke, Anne Poggenpohl und Christoph Brade

Müll im Meer

15. März 2018

„A Plastic Ocean“ im Odeon – Foyer 03/18

Mittwoch, 14. März: Seit der Grünen-Politiker Arndt Klocke Fraktionsvorsitzender im Landtag von Nordrhein-Westfalen ist, hat er täglich noch viel mehr Termine und Verpflichtungen auf der Agenda. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, an der mittlerweile gut zehnjährigen Tradition des „Grünen Kinos“ festzuhalten, das noch immer alle zwei Monate in Kölner Kinos Filme zu aktuellen politischen Themen mit anschließender Expertengesprächsrunde präsentiert. Dieses Mal war man im Odeon-Kino zu Gast und zeigte vor ausverkauftem Haus Craig Leesons Dokumentation „A Plastic Ocean“, die sich mit der weltweiten Verschmutzung der Ozeane beschäftigt. Als Gäste begrüßte Arndt Klocke nach der Filmpräsentation Christoph Brade von Greenpeace Köln, die Umweltwissenschaftsstudentin Anne Poggenpohl und Lukas Schulte, einen Vertreter des Pacific Garbage Screenings, die ohne Netze versuchen, Fremdstoffe aus den Meeren zu fischen, ohne dabei die Meereslebewesen zu gefährden. Eingangs erläuterte Schulte, dass er in der Bildungsarbeit und der Technologieentwicklung an der RWTH Aachen tätig sei. Zur Filterarchitektur führte er weiter aus, dass sich diese derzeit noch in einer vorbereitenden Entwicklungsphase befände, man allerdings guter Dinge sei, hier einen interessanten Lösungsansatz für die Verschmutzung der Ozeane gefunden zu haben.

Anne Poggenpohl beim Publikumsgespräch

Das Podium war sich einig, dass es längst an der Zeit sei, ein Umdenken bei den Menschen einzuläuten, um dem schwerwiegenden Problem der Verschmutzung der Weltmeere mit Plastik entgegenzuwirken. Anne Poggenpohl hatte zwei Forschungsmonate in Indonesien zugebracht und dort das Projekt „Mapping Plastics“ initiiert. In dem asiatischen Land läge das Problem in erster Linie in der hohen Verbreitung von Einwegplastikartikeln, die nicht recyclebar wären. „Wir haben vor Ort ein alternatives Netzwerk mit wieder nachfüllbaren Behältern geschaffen. Die Nutzer sammeln bei der Teilnahme ‚Happy Points‘, die sie später als Belohnung in Naturalien einlösen können“, erläuterte Poggenpohl das Konzept des Projektes. Selbst für Christoph Brade, der sich als Greenpeace-Mitglied bereits eingehend mit der Problematik beschäftigt hatte, waren die Bilder in Craig Leesons Film äußerst verstörend. Insbesondere die Szenen, in denen im Film der Magen von verendeten Meeresvögel geöffnet wird und hunderte Plastikteile der unterschiedlichsten Größen zum Vorschein kommen, hat Brade geschockt: „Das ist alles noch viel krasser, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagte er im Lauf der Diskussion. Brade hat in der aktuellen Politik in Deutschland noch keine Ansätze erkannt, die auf eine „große Plastikwende“ hindeuten würden. „Bevor die Politik nun damit beginnt, Plastikverbote auszusprechen, ist aber zunächst einmal notwendig, bei der breiten Bevölkerung ein größeres Verständnis für die Problematik zu schaffen“, so der Greenpeace-Mitarbeiter weiter.

Christoph Brade und Lukas Schulte im Odeon-Kino

Aus eigener Erfahrung weiß Brade, dass auch aus einzelnen lokalen Gruppen heraus das Bewusstsein für eine bestimmte Problematik geschärft und auf diese Weise von unten nach oben getragen werden kann. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass jeder Einzelne mehr leisten kann, als es vielleicht zunächst den Anschein hat. Viel hänge vom einzelnen Nutzerverhalten ab. Würden bestimmte Produkte boykottiert, unnötige Umverpackungen im Laden zurückgelassen oder Firmen direkt angeschrieben und für ihre umweltfeindliche Politik gerügt, hätte das alles durchaus Gewicht. Arndt Klocke wies in diesem Zusammenhang auch auf das Konzept der Unverpacktläden hin, von denen es allein in Köln mittlerweile bereits drei gibt. Auch aus dem Publikum wurden Stimmen laut, dass die Lösung des Problems, wie teilweise in Leesons Film angedeutet, nicht im recyceln des Plastiks bestünde, sondern man viel eher darum bemüht sein sollte, weniger aus Plastik zu produzieren und schonender mit den Ressourcen allgemein umzugehen. Weitere Tipps kamen von Lukas Schulte, der propagierte, selbst zu versuchen, authentisch zu leben, was sich darin äußere, Gegenstände immer möglichst lange zu nutzen und bewusster einzukaufen. In Kombination mit dem Ausüben eines „großvolumigen Drucks“ auf die Hersteller und die Politik, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden, könne die Problematik weiter in den öffentlichen Fokus geholt werden, ergänzte Arndt Klocke. Aufgrund der großen Nachfrage zu „A Plastic Ocean“ wurde für den 4. April im Odeon-Kino noch eine Zusatzvorstellung des Films angesetzt, der in Deutschland keinen Kinoverleih hat und weltweit über die Streaming-Plattform Netflix vertrieben wird.

Marco Mora informierte im Foyer über Greenpeace
Text/Fotos: Frank Brenner

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