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Mijin Kim
Foto: Robin Junicke

Am Ende ist es Kunst

01. Januar 2024

Mijin Kim bereichert Kölns Tanzszene – Tanz in NRW 01/24

In der Stadt Daegu in Südkorea ist Mijin Kim aufgewachsen. Tanz hat sie immer interessiert. Als sie die ersten Produktionen von Pina Bausch und Sascha Waltz sah, war ihr klar, dass sie modernen Tanz in Europa studieren wollte. So gelangte sie an die Hochschule für zeitgenössischen Tanz und Musik in Köln. Die Stadt ist ihr zur zweiten Heimat geworden, sagt sie. Gleichzeitig hat Mijin Kim auch Spuren in Kölns freier Tanzszene hinterlassen. Davon kündete bei der diesjährigen Theaterpreisverleihung nicht zuletzt die Nominierung für den Darstellerinnenpreis.

Eher zufällig hatte die heute 30-Jährige an einem Workshop mit Tim Behrens Overhead Project teilgenommen. Wer hätte gedacht, dass sie bald selbst eines der prägenden Gesichter der Kompanie werden würde, die mit der Produktion „What is left“ jetzt den Kölner Tanzpreis gewann. Overhead verbindet den Tanz mit der Zirkusakrobatik. „Das ist manchmal gefährlich“, bekennt Mijin Kim. In ihrem Solo „Circular Vertigo“ etwa bewegt sie sich auf einem 100 kg schweren Pauschenpferd über den Köpfen der Zuschauer. Der Schwerpunkt der Konstruktion muss an jedem Veranstaltungsort neu austariert werden. Den Unterschied zwischen dem Modern Dance und der Tanzakrobatik sieht sie in der Präzision. „Jeder Griff muss genau sitzen, sonst funktioniert es nicht. Im zeitgenössischen Tanz ist das hingegen nicht so wichtig“, erklärt sie. „Wir gehen jedes Mal ins Risiko, ohne das Vertrauen in die Kollegen wäre das nicht möglich“, sagt Mijin Kim. Es ist diese erstaunliche Sicherheit der Akteure, die man auch aus der Publikumsperspektive spürt, und die eine Produktion wie „My Body is your Body“ so einzigartig macht.

Als Performerin besitzt Mijin Kim eine subtile Ausstrahlung. Diskrete Zurückhaltung kennzeichnet ihre Aktionen – und dennoch wirkt sie enorm präsent. Diese stille Gegenwart verleiht den Choreographien von Tim Behren eine besondere Intensität. Für die Koreanerin besteht der Dialog mit dem Publikum aus mehr als „zeigen und schauen“. Durch die Akrobatik bekomme der Tanz größere Sichtbarkeit und sei am Ende „einfach Kunst“, konstatiert sie selbstbewusst. Mit der mexikanischen Tänzerin Silvia Ehnis Perez Duarte und der ebenfalls aus Südkorea stammenden Seulki Hwang gründete Kim 2018 die Kompanie Tacho Tinta. Hier geht sie ebenfalls ins Risiko, wenn das für sie auch bedeutet, „als Nicht-Deutsche in unterschiedlichen Sprachen zu arbeiten. Aber diese Erfahrung macht einfach Spaß.“

Thomas Linden

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