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„Romeo und Julia“
Foto: Heiko Obermöller

Lachen, raufen, trauern

27. April 2017

„Romeo & Julia“ im Theater Tiefrot – Theater am Rhein 05/17

Spätestens seit Baz Luhrmann in den 90ern die verfeindeten Familien Montague und Capulet aus Verona als poppige Gangs mit herumfuchtelnden Knarren auf die Kinoleinwand gebracht hat, stellt sich auch für den Theaterregisseur von „Romeo und Julia“ die Modernitätsfrage. Im Theater Tiefrot geht man zweigleisig vor: klassisch angehauchte Kostüme und die wenig angetastete Schlegel-Übersetzung kontrastieren mit teils knalliger Schminke und einer zügig gestrafften Handlung.

Die erste Hälfte der Aufführung erinnert in ihrer Konzentration auf anzügliche Gesten und jugendliche Sprüche eher an ein Lustspiel, während die Fehde der Familien nur beiläufig erzählt wird. Das Gerangel der Geschlechter hebt Regisseur Volker Lippmann durch Geschlechtertausch in der Besetzung der exaltierten Figuren noch hervor: Jörg Kernbach gibt gekonnt knallig-derb die Amme, Julia Karl den aufbrausenden Mercutio, angriffslustiger Kumpel von Romeo. Die sprachlichen Gefechte gelingen dem Ensemble famos bei hohem Tempo. Warum allerdings Szenen wie die Hochzeitsnacht als Film an die Wand projiziert werden, erschließt sich nicht so recht, zumal Licht- und Tonqualität des Materials nicht gerade glänzen.

Christina Schumacher als kindlich-überdrehte und später tragisch leidende Julia und Ferdi Özten als übermütig-verliebter Romeo sind auf der Bühne überzeugender. Für die wirbt auch der Rest des spielfreudigen Ensembles: Mitten im Gang des Zuschauerraums wird gelacht, gerauft und getrauert. Alle Ein- und Ausgänge werden benutzt, ein ständiges Kommen und Gehen, langweilig wird es nicht. Der Umschwung vom Lustspiel zur Tragödie erfolgt bei Shakespeare dann in nur einer Szene. Der Tod betritt die Szenerie fast zufällig, die Schauspieler tragen auch das mit. Es kommt etwas der Verdacht auf, dass der Stimmungswechsel auch der Musik zuzuschreiben ist. Ein dumpfer rhythmischer Bass unterliegt der zweiten Hälfte des Abends, wo die erste noch mit säuselnden Geigen und pathetischen Orchesterklängen („West Side Story“) unterlegt war. Ein bisschen Filmflair muss aber wohl sein heute, bei Romeo und Julia.

„Romeo und Julia“ | R: Volker Lippmann | 2., 3., 24.-27.5. 20.30 Uhr | Theater Tiefrot | 0221 460 09 11

MARIO MÜLLER

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