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Chéri, ich komme!

Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust
Frankreich 2026, Laufzeit: 89 Min., FSK 12
Regie: Reem Kherici
Darsteller: Alexandra Lamy, François Cluzet, Mitty Hazanavicius

Romantische Komödie 
Neue Höhenflüge
„Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ von Reem Kherici

Vor 70 Millionen Jahren entwickelte sich der Orgasmus bei Säugetieren, doch erst in den 1950er und 60er Jahren wurde der Orgasmus der Frau erforscht - bis heute ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, warum es ihn gibt. Der blinde Fleck hat Konsequenzen: Rund 10 Prozent aller Frauen haben Studien zufolge noch nie einen Orgasmus erlebt, und laut einer amerikanischen Studie erlebt nur ein Drittel der befragten Frauen in einer heterosexuellen Partnerschaft einen Orgasmus - bei den Männern hingegen sind es 95 Prozent. Diesem oft tabuisierten Thema nimmt sich die französische Regisseurin Reem Kherici in ihrer neuen romantischen Komödie an.

Darin geht es um Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet). Die beiden sind seit 20 Jahren verheiratet, haben eine gemeinsame Tochter (Mitty Hazanavicius) und sind mehr oder weniger glücklich miteinander. Doch eine Sache hatte Fanny noch nie: einen Orgasmus. Entschieden, das zu ändern, geht sie zu einer Sexualtherapeutin (Reem Kherici) und erzählt Tom von ihrem Wunsch. Nach Toms erster Bestürzung machen sich die beiden gemeinsam daran, Fanny endlich einen Orgasmus zu bescheren. Sie recherchieren online, gehen gemeinsam auf eine Swingerparty, unternehmen eine abenteuerliche Fahrt über einen mit Kopfsteinpflaster versehenen Kreisverkehr und klauen den Drogenvorrat ihrer Tochter. Doch richtig klappen will nichts davon. Doch Tom kommt auf eine Idee: Er ist Ingenieur hat schon diverse elektronische Apparate erfunden - warum nicht ein Sexspielzeug entwickeln, das Fanny auf dem Weg zum Orgasmus unterstützt? Nach einigen Rückschlägen ist das Paar am Ende tatsächlich erfolgreich - und schafft es nicht nur, Fanny endlich einen Orgasmus zu bescheren, sondern auch einen Verkaufsschlager zu landen.

All das erzählt Reem Kherici in ihrer vierten Regiearbeit (2013 gab sie ihr Regiedebüt mit "Paris um jeden Preis") mit einer mitreißenden Lebensfreude. Einige Pointen kommen ein wenig platt daher, etwa wenn Tom heimlich seinen Penis ausmessen möchte und sich dabei fast verletzt - doch insgesamt ist "Chéri, ich komme!" herrlich erfrischend und liebenswert. Zudem lässt Kherici auch leise Zwischentöne anklingen, etwa wenn Tom sich verletzlich zeigt, weil sein Selbstbewusstsein unter dem Verlust seiner Arbeitsstelle leidet.

"Chéri, ich komme!" ist lose inspiriert von einer realen Geschichte: der des deutschen Ehepaars Michael und Brigitte Lenke. 2014 brachte Michael Lenke den Womanizer auf den Markt, nachdem er in einer Studie darauf aufmerksam wurde, dass viele Frauen Schwierigkeiten haben zum Orgasmus zu kommen. Es handelt sich um ein Sexspielzeug, das die Klitoris durch einen Luftstrom stimuliert. Testerin für die Entwicklung dieses Geräts war Brigitte Lenke. Heute gilt der Womanizer laut eigenen Angaben als eines der erfolgreichsten Sexspielzeuge am Markt und ist in über 60 Ländern erhältlich.

Kherici macht aus der realen Vorlage eine ganz eigene Geschichte, in der Fanny eine deutlich prominentere Rolle einnimmt als die eines bloßen Versuchskaninchens: Stattdessen ist sie diejenige, die auf die Suche nach ihrer Lust geht. Die größte Stärke von "Chéri, ich komme!" ist deshalb, dass Kherici mit dem Fokus auf Fanny eine Geschichte über weibliche Lust erzählt, ohne den weiblichen Körper zu objektifizieren. An den Stellen, an denen es um Fannys Lust geht, wird der "female gaze" deutlich - also, dass dieser Film unter der Leitung einer Frau und nicht aus einer männlichen Perspektive gedreht wurde. Die Kamera fängt Fannys Emotionen und körperliches Empfinden über kreative Bilder ein, etwa wenn sie bei ihrem ersten Orgasmus samt Bettdecke plötzlich in die Luft schwebt. Kherici zeigt damit wunderbar, dass es möglich ist, weibliche Lust als etwas darzustellen, bei dem es primär um das innere Erleben geht - und nicht darum, wie das Ganze auf außenstehende (männliche) Betrachter wirkt.

(Marina Wudy)

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