
Kaffee, Kuchen, ein langer Tisch. Sieben Frauen sitzen an einem Nachmittag im Frauencafé der Wuppertaler Ortsgruppe des Frauenverbands Courage zusammen. Sie reden über den Stadtteil, über Alltägliches. Eine von ihnen ist Biserka.
Biserka kam vor über 30 Jahren aus Bosnien nach Deutschland. Der Krieg hatte sie geprägt, das Ankommen war schwer. Über Kontakte zur Courage-Ortsgruppe in Bochum, die mit einer Fraueninitiative in Sarajevo kooperierte, fand sie den Weg nach Wuppertal. „Ich bin hier ganz stark geworden“, sagt sie. Bei Courage fand sie Unterstützung im Alltag, bei Arztbesuchen oder Übersetzungen – und das Gefühl, nicht allein zu sein. Wenn sie unterwegs ist, besucht sie andere Ortsgruppen. „Man ist überall willkommen.“
Vom Krieg geprägt, stark geworden
Die Geschäftsstelle des 1991 in Gelsenkirchen gegründeten Frauenverbands Courage ist in Wuppertal ansässig, Courage-Gruppen gibt es in zahlreichen deutschen Städten, sie verstehen sich als selbstorganisiert, überparteilich und finanziell unabhängig. „Wir entscheiden alles selbst“, sagt Rita Kubitza, seit 2004 Mitglied. Themen und Positionen werden gemeinsam diskutiert und beschlossen. Auf diese Weise engagieren sich die Frauen für „volle Gleichberechtigung und Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung“.
Ein Thema zieht sich seit jeher durch die Verbandsarbeit: die sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Courage kämpft gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und für die Streichung des Paragraphen 218 aus dem Strafgesetzbuch. Die geltende Rechtslage „hat mit Selbstbestimmung nichts zu tun“, sagt Rita Kubitza, „warum kann eine Frau damit nicht einfach zum Arzt gehen?“
Schützen statt bevormunden
Denn noch immer gilt: Schwangerschaftsabbrüche sind eine Straftat, unter bestimmten Bedingungen aber straffrei. Schwangere sind verpflichtet, sich beraten zu lassen, Fristen einzuhalten, müssen umständliche Wege gehen. Ärztinnen und Ärzte werden durch rechtliche Grauzonen abgeschreckt. Viele christliche Krankenhäuser verweigern Schwangerschaftsabbrüche. Courage sieht darin keinen Schutz, sondern eine Bevormundung von Frauen. Die Forderung: Schwangerschaftsabbrüche sollen als Teil der Gesundheitsversorgung behandelt werden – mit freiwilliger Beratung, ohne Zwang.
Wie konkret das ist, zeigte sich auch in Wuppertal: Eine Gynäkologin wurde hier aufgrund des früheren Paragraphen 219a verklagt, weil sie über Schwangerschaftsabbrüche informierte. Courage war die einzige Organisation vor Ort, die sich solidarisch zeigte. Für die Mitglieder ist das kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines Systems, das Frauen und medizinisches Personal unter Druck setzt.
Langer Atem
Der Verein engagiert sich bundesweit im Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und unterstützt Gesetzesinitiativen. Ein Reformvorstoß wurde zuletzt durch den Wechsel der Bundesregierung gestoppt. Doch aufgegeben wird nicht. „Man verändert nur dann etwas, wenn man dranbleibt“, sagt Rita Kubitza. Gabi Koch, seit der Gründung dabei, ergänzt: „Wenn man aktiv wird, verliert man die Angst.“
Auch lokal mischt sich die Ortsgruppe ein – oft leise, aber wirksam. „Weil man mit seinen Sorgen nicht allein bleibt“, sagt Birgit Büttner, seit 2024 dabei. „Dass Frauen so laut und sichtbar sind“, hat sie beeindruckt. Courage ist für viele Frauen genau das: ein Ort, an dem Unterstützung und politischer Anspruch zusammenfinden. Warum ist Birgit Büttner Mitglied geworden? „Um der Gerechtigkeit eine Stimme zu geben.“
Veranstaltungshinweis: Demonstration in Wuppertal „Frauen kämpfen für Frieden, Freiheit, Frauenrechte“ | 7.3. | 14 Uhr Hauptbahnhof, ab 15 Uhr Von-der-Heydt-Platz
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