
Ronja Heukelbach und Julia Haas, Referentinnen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) NRW, beraten Menschen, die nach rechtsextremen Vorfällen Rat benötigen oder solchen Bedrohungen vorbeugen wollen. Im Mittelpunkt steht, sich über die Vorfälle und Szenarien auszutauschen, sie einzuordnen und handlungsfähig zu bleiben.
Die MBR Köln ist Teil eines bundesweiten Netzwerks gegen Rechtsextremismus. Ratsuchende sind Einzelpersonen, Schulen, Verbände, Parteien oder Behörden. Das Team arbeitet präventiv und anlassbezogen: Es dokumentiert Vorfälle, ordnet sie ein, schätzt Risiken ab und entwickelt Handlungsempfehlungen. Dabei beobachten Heukelbach und Haas zunehmend Überschneidungen zwischen rechtsextremen Vorfällen und Frauenfeindlichkeit bis hin zu Antifeminismus. Hier gilt es, „Codes“ zu erkennen: Verhaltens- oder Erzählweisen, die Aufschluss über Motive geben.
Vermehrt antifeministische Bezüge
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anfragen an die MBR gestiegen, vermehrt mit Bezügen zu Antifeminismus und Queerfeindlichkeit. Haas erklärt, dass es oft schwerfällt, zwischen Sexismus, Kritik an feministischen Ideen und Antifeminismus zu unterscheiden. Antifeminismus ist eine politisch organisierte, patriarchale Gegenbewegung, die eine vermeintlich natürliche Ordnung behauptet. Er wirke stark, weil er sehr unterschiedliche Stimmen und Motive vereine. Er knüpfe an emotional aufgeladene Debatten an, etwa zu gendergerechter Sprache, Gleichstellungspolitik oder sexueller Bildung.
Antifeminismus kann ein Einfallstor zu rechtsextremen oder religiös-fundamentalistischen Positionen sein. Er setzt bewusst auf vereinfachte und mutmaßlich anschlussfähige Argumente. Daher, so Haas, fänden viele Menschen sich darin leicht wieder, jedoch ohne die Konsequenzen zu erkennen, die sich aus den derart manipulierten Argumenten ergeben: Die pauschale Ablehnung feministischer Positionen kann schleichend ein Weltbild festigen, das Vielfalt ablehnt und hierarchische Geschlechterordnungen als natürlich oder gottgewollt darstellt.
Wie solche Bündelungen funktionieren, zeige sich an öffentlichen Veranstaltungen, erklärt Heukelbach. Aktionen wie der „Marsch fürs Leben“, der sich u.a gegen Schwangerschaftsabbrüche richtet und zuletzt auch in Köln stattfand, werden von rechtsextremen und religiös-fundamentalistischen Gruppen mitgetragen, ziehen aber ein breites Publikum an. Nach außen wirken solche Veranstaltungen harmlos, sagen die Beraterinnen, und genau darin liege ihre Wirkung. Sie senken die Hemmschwelle für Ideologien, die demokratische und selbstbestimmte Lebensentwürfe infrage stellen.
Demokratie ist nicht selbstverständlich
Heukelbach und Haas betonen, dass ihre Arbeit über Dokumentationen und Beratung hinausgeht. Es geht darum, Netzwerke zu schaffen, Strukturen aufzubauen und sich gemeinsam gegen reaktionäre Entwicklungen zu stellen. Demokratie sei ein lang umkämpftes Gut, das freies Zusammenleben sichert. Deshalb sei es wichtig, wachsam zu bleiben und sich bewusst zu machen, wie schnell gesellschaftliche Dynamiken in reaktionäre Richtungen kippen können. Die Arbeit der MBR Köln zeigt, wie wichtig geschützte Räume, Austausch und Vernetzung sind.
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