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Jakob M. Erwa, Louis Hofmann und Andreas Steinhöfel in Köln

Die perfekte Besetzung

04. November 2016

„Die Mitte der Welt“ im cinenova – Foyer 11/16

Donnerstag, 3. November: Ein knappes Jahr, nachdem in Köln die letzte Klappe für „Die Mitte der Welt“ gefallen war, kehrte Regisseur Jakob M. Erwa mit einem Großteil seines Teams und vielen seiner Darsteller für die feierliche Premiere in die Domstadt zurück. Eine Woche vor dem bundesweiten Kinostart des Films konnte das Premierenpublikum im cinenova-Kino bereits der heiß ersehnten Adaption des Kultromans aus der Feder von Andreas Steinhöfel beiwohnen. Der Autor selbst war ebenfalls in Köln zu Gast und machte keinen Hehl daraus, dass ihm Erwas Adaption sehr gut gefällt. Natürlich gibt es Veränderungen und Kürzungen gegenüber dem 450-Seiten-starken Roman. Aber Steinhöfel, dessen „Rico, Oskar“-Romane ebenfalls in den letzten Monaten für die große Leinwand adaptiert wurden, bleibt dabei ganz gelassen. Am Roten Teppich erläuterte er: „Wenn Regisseure für teuer Geld das Recht an einem Stoff erwerben, dann sollen sie auch ihre Vision davon umsetzen können.“ Die Zusammenarbeit mit Jakob M. Erwa war insbesondere im Vorfeld sehr groß, weil der Regisseur den Autor noch in der Vorbereitungsphase des Drehbuchs zu Rate zog, um zu erkennen, was „Herz, Seele und Bauch des Romans“ sind, um nicht an den falschen Stellen zu kürzen.

Regisseur Jakob M. Erwa im cinenova

Mit dem fertigen Drehbuch ging Jakob M. Erwa dann auf die Suche nach den richtigen Finanziers, die er u.a. in der Neuen Schönhauser Filmproduktion von Boris Schönfelder, aber auch in Sendepartnern wie dem Bayerischen Rundfunk, dem Westdeutschen Rundfunk, arte und ORF und in der Film- und Medienstiftung NRW fand. Für Erwa wurde es danach zum erklärten Ziel, „die perfekte Besetzung zu finden“, was einen langen und intensiven Prozess in Gang setzte, an dessen Ende auch Steinhöfel und die vielen Fans des Romans zufrieden sein können. Die Geschichte um das erste Verliebtsein zwischen zwei Teenagern hat in der Verfilmung in den Hauptrollen mit Louis Hofmann („Freistatt“, „Unter dem Sand“) und Jannik Schümann („Spieltrieb“, „LenaLove“) zwei der besten hiesigen Nachwuchsstars zu bieten. Die beiden jungen Männer, die sich zunächst noch nicht kannten, mussten erstmal Vorbehalte überwinden, sich nackt vor der Kamera zu begegnen und intime Szenen miteinander zu spielen. Hierzu Jannik Schümann: „Das hat dann doch relativ schnell geklappt, weil wir offene Menschen sind. Wir haben eine gewisse Brüderlichkeit aufgebaut und dann jegliche Scham verloren.“ Dem konnte auch Louis Hofmann beipflichten, der in Köln berichtete, dass er es hilfreich fand, dass sich die Darsteller vor Drehbeginn zu einem Workshop-Wochenende getroffen hatten, um sich besser kennenzulernen. Beide Jungstars waren darüber hinaus ganz begehrlich darauf, an „Die Mitte der Welt“ mitwirken zu können, Hofmann, weil ihn die Rolle sehr stark reizte, und Schümann, weil er den Roman schon fünf Jahre zuvor gelesen hatte und seitdem ein großer Fan des Buches war.

Das Filmteam bei der Kölner Premiere

Berührungsängste mit ihren schwulen Figuren hatten die beiden Shootingstars nicht. Schümann hatte zuvor für den Fernsehfilm „Mein Sohn Helen“ bereits als Transgender vor der Kamera gestanden. „Helen war ein wahnsinnig großes Geschenk für mich als Schauspieler. Diese Rolle war für mich die größte Herausforderung, denn mit einem Transgender habe ich so gar nichts gleich“, sagte Schümann. In seine Figur des Schönlings Nicholas in „Die Mitte der Welt“ konnte er sich dafür umso schneller einfinden. Schließlich stünde dabei das Queere auch gar nicht im Vordergrund. „Das ist einfach eine wunderschöne Liebesgeschichte, bei der die sexuelle Orientierung der Figuren eigentlich gar keine Rolle spielt“, ergänzte Schümann. Ähnlich sieht dies auch Romanautor Andreas Steinhöfel, der den Grund dafür gefunden zu haben glaubt, warum sein Buch so erfolgreich ist: „Es ist eine stinknormale, aber auch eine exemplarische Liebesgeschichte über die Geschlechter hinaus, und das greift bei den Leuten.“ Da es Jakob M. Erwa geradezu vorbildlich gelungen ist, die Atmosphäre und die Quintessenz des Romans auf die große Leinwand zu transferieren, dürfte auch dem Erfolg des Films nichts mehr im Wege stehen. Die ersten Preise bei seinen Festivaleinsätzen hat „Die Mitte der Welt“ übrigens bereits gewonnen.

Text/Fotos: Frank Brenner

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