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Juli und Franziska vom Kollektiv Der kleine Container
Foto (Ausschnitt): Lucie Ella Jürgens

Gefühle bei Nacht

04. September 2026

„Hands off“ im Kleinen Container auf dem Schillplatz – Kunst 09/26

Es ist zwei Uhr nachts. Auf der Tanzfläche wird es enger, die Musik lauter, die Stimmung ausgelassener. Schultern berühren sich, eine Hand streift kurz über den Rücken, ein flüchtiger Griff an die Taille. Auf der Tanzfläche treten die Regeln des Alltags in den Hintergrund. Freundinnen und Fremde tanzen nah aneinandergedrängt, Lautstärke und Dunkelheit verändern die Wahrnehmung. Die Nacht bietet die Möglichkeit, für ein paar Stunden aus dem Gewohnten herauszutreten. Sie bietet Raum für Ekstase und Freiheit, für Nähe und Begegnung. Dabei gilt es, aufmerksam zu bleiben, für den eigenen Körper und die Umgebung. Wie viel Nähe angenehm ist, wann Abstand gebraucht wird und wie sicher sich eine Situation anfühlt, kann dabei schnell wechseln.

Ich und die anderen

Damit beschäftigt sich „Hands off“ auf dem Schillplatz in Köln-Nippes. Das Kollektiv Der kleine Container richtet den Blick auf Erfahrungen von Flinta* im Nachtleben. Es geht darum, was Feiern für sie bedeutet, wie sie sich in diesen Räumen bewegen und wie sicher sie sich fühlen. Juli und Franziska, die hinter dem Projekt stehen, wollen dabei auch schweren Themen mit Leichtigkeit, Humor und einer „feinen Prise Sillyness“ begegnen.

Dass diese Fragen nicht in einem Theater oder Museum gestellt werden, sondern im öffentlichen Raum, ermöglicht der mobile Container. Er wurde 2023 von Juli und Franziska selbst gebaut. „Wir sind vor Ort. Wir gehen in die Veedel. An kunstfremde Orte“, so beschreiben Juli und Franziska, was der Container ihnen ermöglicht. Gerade in einer dicht bebauten Stadt wie Köln, in der Räume für Künstler:innen knapp sind, eröffnet er die Möglichkeit, eigene Orte zu schaffen und dorthin zu gehen, wo Menschen ohnehin zusammenkommen.

Wo Menschen sind

Auf dem Schillplatz wird er zum Ausstellungs-, Aufführungs- und Begegnungsort. In Audiocollagen, Videoarbeiten und interaktiven Performances werden unterschiedliche Erfahrungen aus dem Nachtleben sichtbar und hörbar. Im Vorfeld haben Juli und Franziska mit Flinta* zusammengearbeitet, deren Wissen und Perspektiven in die künstlerischen Arbeiten einfließen. Denn Kunst verstehen die beiden nicht als „Geniestreich aus dem luftleeren Raum“, sondern als „Kommunikationsangebot“. So entsteht das Projekt aus den Erfahrungen der Beteiligten und wird in der Begegnung mit dem Publikum weitergeführt.

Hands Off | 11.-13.9. | Schillplatz | Info

Margaretha Pyra

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