Großartig, dass Louise Stomps für das Rheinland entdeckt wird. Großartig auch, dass das im Dialog mit Käthe Kollwitz stattfindet – und in deren Museum am Neumarkt: Die „Schützenhilfe“ trägt dazu bei, die Sensibilität der Stein-, Bronze- und Holzskulpturen und ihre existenziellen, kreatürlichen Anklänge weiter zu verstehen. Bei beiden Künstlerinnen geht es um den Menschen mit seiner unausweichlichen Verstrickung in seiner Zeit und seinen physischen und psychischen Bedingungen als gefährdetes Wesen. In dieser Nachbarschaft wird erst recht die Bedeutung von Louise Stomps als Künstlerin, Persönlichkeit und als Bildhauerin und Zeichnerin deutlich.
Louise Stomps wird 1900 in Berlin geboren. Alleinerziehend mit zwei Töchtern und unterstützt von ihrer Familie, studiert sie an den Vereinigten Staatsschulen und bei Milly Steger im Verein der Künstlerinnen. Spätestens bei Milly Steger entwickelt sie das Gespür für den menschlichen Körper, dessen Plastizität und Motorik, welches ihr Werk zeitlebens auszeichnet. Es beginnt mit gestreckten überlebensgroßen Figurenstelen mit vertikal ausgerichteten Gliedmaßen. Schon bald folgen blockhafte Figuren, die durch die Außenformen nur noch knapp angedeutet sind. Ab 1928 nimmt Stomps an Ausstellungen teil. Mit der NS-Machtergreifung indes werden ihre Werke in die Nähe der sog. „Entarteten Kunst“ gerückt, und nachdem Ernst Barlach und Käthe Kollwitz 1936 aus der Jubiläumsausstellung der Akademie der Künste Berlin ausgeschlossen werden, zieht sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Das und der Umstand, dass ihr Atelier 1943 bei Bombenangriffen in Berlin zerstört wird, führen dazu, dass vieles in ihrem Werk nicht bekannt ist.
Umso mehr tritt Louise Stomps nach dem Krieg in Berlin in Erscheinung: als Künstlerin, die zu Wettbewerben eingeladen und mit dem Kunstpreis der Stadt Berlin ausgezeichnet wird und am wiedererwachten Kulturleben der Stadt mitwirkt. Irgendwann wird sie erkennen, dass ihre Materialien und ihre eigentliche Arbeit die Umgebung der Natur und die Abgeschiedenheit erfordern. 1960 zieht sie in eine alte Wassermühle in Oberbayern. Hier entstehen vor allem Skulpturen mit den dortigen Hölzern, aber noch im hohen Alter arbeitet sie mit Stein. Die Ausstellung im Kollwitz Museum orientiert sich an der Chronologie und stellt die unangepasste, rigorose Louise Stomps, die begeisterte Motorradfahrerin war und 1988 an den Folgen eines Unfalls starb, in der dichten Zusammenstellung ihrer Werke vor. Natürlich wird auch viel Bildhauertheorie visualisiert, aber wie einfallsreich und handwerklich versiert sie ihre widerspenstigen Materialien bearbeitet und „im Griff“ hatte, ist ein ästhetisches Erlebnis. Und jede Skulptur sieht beim Wechsel der Perspektive überraschend anders aus. Stein und Holz sind verknappt, verdichtet und lassen doch die Beziehung zur Figur erkennen. Ebenfalls ausgestellt sind die Zeichnungen. Sie sind wahre Bildhauerzeichnungen, und sie teilen, ebenso wie die Entwürfe für Wettbewerbe, mit: Es geht immer um den Menschen, ohne Wenn und Aber.
Louise Stomps – Konturen des Inneren | bis 28.6. | Kollwitz Museum | 0221 227 28 99
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