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Martin Creed: Don't worry (Work No. 291), 2003, Gasentladungslampen (Neon), Stromkabel, Transformatoren, Schauwerk Sindelfingen © VG-Bild Kunst, Bonn 2026
Foto: Frank Kleinbach

Keller voller Licht

04. August 2026

25 Jahre Lichtkunstzentrum in Unna – Kunst 08/26

„Don‘t worry“ prangt in signalroten Leuchtbuchstaben im ersten Kellergewölbe. Zwar ganz hinten, über Eck und hoch oben, doch Martin Creeds Lichtkunstwerk drängt sich als Blickfang sofort ins Sichtfeld. Also mutig hereinspaziert in die Jubiläumsschau 25 Jahre Lichtkunstzentrum. In Unnas Museum mit internationaler Strahlkraft ist zur Feier des Jahres alles ein bisschen anders als sonst: Das Museumsteam ist vom gewohnten Sonderausstellungskonzept abgewichen und zeigt statt drei ortsbezogenen zeitgenössischen Rauminstallationen nun insgesamt 19 Werke aus sechs Jahrzehnten von 11 renommierten Künstlerinnen und Künstlern. Alle Exponate stammen aus dem Privatmuseum Schauwerk Sindelfingen, einem klassischen White Cube. In den rustikalen Katakomben der ehemaligen Lindenbrauerei treten sie nun untereinander und mit der atmosphärischen Architektur in frische Dialoge. Und vermitteln – arrangiert in den Themenräumen „Form“, „Farbe“ und „Zeichen“ – beispielhafte Einblicke in die Vielfalt der Kunst mit künstlichem Licht.

Unter Creeds Leuchtschrift, die alle drei Aspekte vereint, setzen im Vorraum die Altmeister den Auftakt. Dan Flavin und François Morrellet verwenden seit den frühen 1960er-Jahren Neonlicht als künstlerisches Material. Flavin montiert handelsübliche Baumarkt-Röhren im rechten Winkel zur Wand, als Energieskulpturen, die in den Raum ragen und ihn somit neu definieren. Morellet legt seinen Arrangements mathematische Prinzipien zugrunde. Die gezackte Biegung seiner Leuchtstabkette basiert auf der Kreiszahl π und leitet dynamisch ums Eck in den „Form“-Raum voller Weißlicht-Werke. Jeppe Heins animierter Leuchtkubus reagiert auf Bewegungen im Raum,John M. Armleders wandernde Lichtimpulse erzeugen farbige Nachbilder. Und Brigitte Kowanz‘ Leuchtrelief entpuppt sich als sonnenförmig arrangiertes Morsealphabet. An der Wand ein dezenter Hinweis darauf; Details erklären die Guides bei den Führungen.

Der nächste Raum setzt Farbakzente, u. a. ein „Sunset“ über Glasscherben (Lori Hersberger) sowie hängende, liegende rote Lichtbögen von Morellet, die zusammengefügt einen Kreis von 8,20 Meter Durchmesser formen würden. „You touch my Soul“, leuchtend in Tracey Emins Handschrift, verleiht der Lichtkunsttechnik eine persönliche Note, dieMaurizio Nannuccis 5 Meter hohen Textwändenin der größten Ausstellungshalle unter dem Motto „Zeichen“ gewollt fehlt. Ähnlich wie Creed lotet Nannucci in gigantischen Druckbuchstaben die Wirkung von Worten, Farbe, Größe und Anordnung aus – im Spiel mit minimalsten Varianten. Die formalistisch spröde Idee entfaltet bei vergleichender Betrachtung überraschende Poesie und das imposante Brauereigewölbe gerät zum Andachtsraum.

Light Dialogues – 25 Jahre Zentrum für Int. Lichtkunst Unna | bis 10.01.2027

Claudia Heinrich

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