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Bühnenbild-Modell von „Asrael“
Foto: Thilo Beu

Liebe unter Engeln

03. Oktober 2022

„Asrael“ in der Oper Bonn – Oper in NRW 10/22

„Wer zwingt die Hölle? – Nur der Liebe Macht!“ Damit ist schon gesagt, worum es in Alberto Franchettis „Asrael“ geht. Das Erstlingswerk des einst geschätzten italienischen Komponisten, 1888 uraufgeführt und sofort erfolgreich, steht ab 16. Oktober im Spielplan der Oper Bonn. Die Produktion ist Teil des Projekts „Fokus 33“, das Werke auf die Bühne zurückholt, die nach 1933 oder ab 1945 aus den Spielplänen verschwanden.

Die Opern des jüdischen Komponisten, der lange als einziger ernsthafter Rivale Giacomo Puccinis galt, durften in Deutschland ab 1933 nicht mehr gespielt werden. Franchetti geriet auch im faschistischen Italien unter Druck. Nur die Fürsprache Pietro Mascagnis verhinderte Schlimmeres. Franchetti entstammt einer Bankiersfamilie aus Turin; seine Mutter war Luisa Sara Rothschild, die ihn auf den Weg zur Musik leitete. Nach Unterricht in Venedig studierte Franchetti bei Joseph Rheinberger in München und Felix Draeseke in Dresden.

„Asrael“ machte ihn mit einem Schlag bekannt, so dass ihn Giuseppe Verdi für eine Oper über Kolumbus aus Anlass des 400. Jahrestags der Entdeckung der Neuen Welt 1892 vorschlug. „Cristoforo Colombo“ gilt als eines seiner besten Werke; großen Erfolg hatte er aber auch mit „Germania“ (1902). Nach der Uraufführung von „Glauco“ (1922) verblasste sein Ruhm. Franchetti starb am 4. August 1942 in Viareggio, wo er auch begraben liegt. Obwohl er als Wagnerianer gilt, sind in seiner Musik außer der Verwendung von Leitmotiven keine der musikdramaturgischen Prinzipien Wagners zu entdecken. Er bemühte sich „Neues zu schaffen, während man das Alte beibehält“.

„Azrael“ ist der in jüdischen und islamischen Texten erwähnte Erzengel des Todes. In Ferdinando Fontanas Libretto liebt er im Himmel den Engel Nefta, von dem ihn der Kampf gegen Luzifer und die Verbannung in die Hölle trennen. Asrael und Nefta erwirken sich einen Aufenthalt auf der Erde, wo sie sich im Lauf der Opernhandlung wiederfinden und Nefta in Gestalt einer Nonne die Wiederaufnahme Asraels in den Himmel erwirkt. In Bonn wird Christopher Alden die stark von einem symbolgeladenen Romantizismus durchwirkte Handlung inszenieren; Dirigent Hermes Helfricht die seit 1945 nicht mehr aufgeführte Musik Franchettis mit dem Beethoven Orchester Bonn in die Gegenwart holen.

Asrael | 16., 22.10., 6., 11., 27.11., 8.12., 14.1.23 | Oper Bonn | 0228 77 80 08

Werner Häußner

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