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Schauspieler Yuri Englert („Der endlose Sommer“)
Foto: Tommy Hetzel

Oasen der Realität

11. März 2020

März-Premieren in Köln – Prolog 02/20

Das T-Shirt „Kansas Trump Country 2020“ kostet 28 Dollar. Kansas ist eigentlich republikanisches Stammland, auch wenn seit 2019 die seit Jahrzehnten erste Demokratin den Bundestaat regiert. Und von dort stammt Dorothy, die Heldin in L. Frank Baums „Der Zauberer von Oz“. Und dorthin möchte sie auch zurück. Dabei hat schon die legendäre Hollywood-Verfilmung aus dem Jahr 1939 dieses Kansas nur in Schwarz-Weiß gezeigt. Das magische Land Oz, in das es Dorothy mit ihrem Hund Toto verschlägt, dagegen in sattesten Farben. Ein ausgebleichter Sunflower-Staat mit der Farm von Tante Emmy und Onkel Henry, schon damals heimgesucht von Wirbelstürmen, aus dem Dorothy und Toto in das Land der Munchkins verweht wird. Dort erlebt sie dann mit dem Blechmann, der Vogelscheuche und dem Löwen diverse utopische Abenteuer. Seit den 1960er Jahren weiß man, dass der Journalist L. Frank Baum in seinem Märchen vom Ende des 19. Jahrhunderts auch eine politische Allegorie versteckt hat, die auf den Aufstieg der Populistischen Partei, auf die damalige Geldpolitik, die Situation der Farmer usw. verweist. Tom Müller wird das Märchen am Theater der Keller herausbringen.

Ein anderes aus der Zeit herausgeschnittenes Utopia stellt der Roman „Der endlose Sommer“ vor. Autorin ist die dänische Performerin, Sängerin, Autorin Madame Nielsen. Der 2014 erschienene Roman spielt auf einem Gutshof in Jütland, auf dem ein verbitterter Stiefvater regiert. Verbittert, weil seine aristokratische Frau nie seine Liebe erwidern wird. Mit seinem plötzlichen Verschwinden faltet sich eine vermeintlich aus der Zeit gefallene Oase auf, bevölkert von der Aristokratin, einem Mädchen, ihrem Freund sowie zwei Portugiesen. Die Liebe zwischen der Aristokratin und dem halb so alten portugiesischen Jungen ist nur eine äußere Station des Plots. Entscheidend ist der Schwebezustand, der durch die oszillierende Sprache erzeugt wird. Die Hierarchie der Realität scheint aufgehoben im Glanz einer Melancholie, die kleinste Gesten, Lichteinfälle oder selbst Staubschlieren als Metaphern liest. Regisseurin Lucia Bihler von der Berliner Volksbühne hat sich den nicht einfachen Text für ihr Debut am Schauspiel Köln ausgesucht.

„Der Zauberer von Oz“ | R:Tom Müller | 20.3.(P) | Theater der Keller | 0221 31 80 59

„Der endlose Sommer“ | R: Lucia Bihler | 28.3.(P) | Schauspiel Köln | 0221 221 284 00

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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