Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

12.114 Beiträge zu
3.551 Filmen im Forum

Mann für jede Musik: Leszek Możdżer
Foto: Przemek Krzakiewicz

Streicher statt Synthesizer

26. April 2018

Handgemachte Musik aus Polen durchforstet die Stile – Improvisierte Musik in NRW 05/18

Chopin, Komeda, Możdżer – drei polnische Namen mit einem Unbekannten. Leszek Możdżer, Pianist aus Polen, holte sich vor Jahren noch bei seinen berühmteren Landsleuten Schützenhilfe. Jetzt kehrt er zum dritten Mal zurück, um am Klavier einen ganzen Abend in der Kölner Philharmonie zu gestalten. Und er bringt sich diesmal einen Vibraphonisten und ein Streichquartett mit. Das klingt schon ohne Musik vielversprechen bunt.

Seinem Grundkonzept bleibt der Pianist treu, es gibt keine Berührungsängste. Bei einem Solo-Besuch vermischte er Musik seiner großen Landsleute – Chopin tauchte in wilden Verzierungen, hurtigen Girlanden und virtuosen Schmuckläufen auf, Krysztof Komeda, der viel zu früh in Hollywood verunglückte Filmkomponist Roman Polanskis, lieferte sein Erbe in den herangezogenen Kompositionen. Später wechselte der 1971 in Danzig geborene Możdżer zu eigenen Werken und Standards des Jazz, auf diesem Gebiet hat er schon mit den heißesten Typen zusammengespielt, darunter Pianistinnen der Spitzenklasse oder Jazzpromis wie Marcus Miller oder der Gitarrist John Scofield. Regelmäßig konzertiert er mit seiner Landsfrau Anna Maria Jopek, international mit Pat Metheny, Lester Bowie, Arthur Blythe und Archie Shepp. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er mit dem schwedischen Bass-Promi Lars Danielsson zusammen, dann oft mit dem israelischen Perkussionisten Zohar Fresco. Dieses Trio ist ein vielgepreistes internationales Edeltrio.

Solo donnerte der Bass aus dem zuvor präparierten Klavier wie im Bombenhagel. Ansonsten läuft das Notenfass des Virtuosen ständig über. Seine flockig fallende Boptail-Frisur, die seine Augen während des Spiels von der Umwelt abschließt, fördert die volle Konzentration auf die Tastatur. Darauf rennen die Finger im Höllentempo, denn Możdżer knüpft an die hohe Schule seines Landsmannes Adam Makowicz – er ist die polnische Legende, der den rasanten Konzertstil eines Art Tatum in einen moderneren Flügelsound überführte. Der neue „Art“ fügt der technischen Brillanz manchmal mit Saitendämpfern oder scheppernden Verzerrern neue Klänge hinzu, abseits seines klassisch geschulten exquisiten Glöckchen-Anschlags. Und er schaffte es sehr sympathisch, sein Publikum mit einem wirklich abwechslungsreichen Programm auf bestem Niveau zu unterhalten.

In Polen bringt es der auch in Klassik, Minimal-Music, Theater-, Film- und Popmusik und allen Fusionen umtriebige Pianist auf enorme Verkaufszahlen im Tonträgermarkt. Mit dem jetzt eingeladenen Atom String Quartet existieren einige Partituren, bei denen die Streicher die wabernden Flächen legen, rhythmische Strukturen schaffen und der Fantasie ihrer beiden Jazz-Improvisatoren freien Lauf lassen. Das gefällt erfahrungsgemäß auch den nicht so eingefleischten Jazzfreunden.

Leszek Możdżer, Dominik Bukowski und Atom String Quartet | Do 17.5. 20 Uhr | Kölner Philharmonie | 0221 280 280

Olaf Weiden

Neue Kinofilme

Solo: A Star Wars Story

Lesen Sie dazu auch:

Die Stadt mœrsifizieren
Moers Festival begeistert mit Angebot und Stadtnähe – Festival 05/18

Piano à la polonaise
Polnische Pianisten in der Philharmonie – das Besondere 05/18

Requiem ohne Todesfall
Ein monumentales Werk feiert den Abschied eines Chorleiters – Klassik am Rhein 05/18

Musik greifbar machen
Eigene Label sind für junge Jazzer nahezu obligatorisch – Improvisierte Musik in NRW 04/18

Musik im Moment des Entstehens
Der Stadtgarten im Jahr 2018 – Kulturporträt 04/18

Junger Jazz aus Köln (1)
Cologne Open im Stadtgarten: Donnerstag – Konzert 03/18

Junger Jazz aus Köln (2)
Cologne Open im Stadtgarten: Freitag – Konzert 03/18

Musik.