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„Furcht und Ekel“
Foto: Martin Miseré

Sauce Zigeunerart

28. Januar 2016

„Furcht und Ekel“ am Schauspiel Köln – Theater am Rhein 02/16

Die Marschrichtung des Abends wird bereits beim Betreten der Grotte klar: Ein Motor brummt brutal, während das Publikum von dem unberechenbar freundlichen Vollblutproleten Rille (Justus Maier) Döner mampfend begrüßt wird. Es riecht nach Zwiebel und Tsatsiki und seine Aussprache ist fleischhaltig: „Willste auch mal abbeißen“, fragt er, bevor er eine Zuschauerin als „geile Mülf!“ – Mütter/Mother I like to fuck – betitelt. „Ein Arsch so prall, wie ein Gummiball“, teilt er seinem Kumpel Danny (Niclas Streit) noch mit. Die Dame ist ziemlich pikiert.

„Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ von Dirk Laucke ist ein harter Stoff. In der Tradition von Bertolt Brechts „Furcht und Elend im Dritten Reich“ und „Furcht und Hoffnung der BRD“ von Franz-Xaver Kroetz greift Laucke in seinem Episodenstück auf authentische Ereignisse zurück, die er in kleinen Szenen verdichtet hat, die an Deutlichkeit nichts missen lassen.

Das apostrophierte „glückliche Privatleben“ entpuppt sich als Einblick in die Kontinuität rechten Denkens in unserer Gesellschaft. Rassismus ist kein peripheres, sondern ein alles durchdringendes Phänomen. Egal, ob bei Ostdeutschen Dumpfbacken, die einem „Kinderficker“ eine Lektion erteilen, was in einer wilden Folterszene endet, bei der das Kunstblut Marke „Sauce Zigeunerart“ nur so spritzt; oder beim bürgerlichen Ehepaar, dessen Tochter in die Nazi-Szene abgedriftet ist; oder beim Bericht über die Diskriminierung von Roma in Tschechien, der die Tendenz des deutschen Kultur- und Pressebetriebs verdeutlicht, Rassismus besonders gern im Ausland zu registrieren.

Bestechend an Pinar Karabuluts Inszenierung ist die Unmittelbarkeit des Spiels. Für das Publikum bedeutet das kurzweilige 75 Minuten lang: „Mitten drin, statt nur dabei.“ Was das fünfköpfige Ensemble (neben den genannten: Simon Kirsch, Magda Lena Schlott und Lou Zöllkau) an dem Abend schauspielerisch bietet, ist à la bonheur. Leider führt die Inszenierung aber zu zahllosen Überdeutlichkeiten, die die rohe und brutale Handlung unnötigerweise ein bisschen zu oft ins Komödiantische kippen lässt.

„Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ | R: Pinar Karabulut | 17.2., 23.2. 20 Uhr | Schauspiel Köln | 0221 22 12 84 00

Bernhard Krebs

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