Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 1 2 3 4

12.425 Beiträge zu
3.696 Filmen im Forum

Foto: Jean-Luc Beaujault

Luftig ins Jubiläumsjahr

22. Januar 2020

„L’après-midi d’un foehn“ auf Zollverein – Tanz an der Ruhr 01/20

Schneeflocken purzelten herab, als das Kulturhauptstadtjahr im Januar 2010 feierlich eröffnet wurde. Die fröstelnden Temperaturen bescherten auf Zollverein eine echte Wintermärchen-Kulisse. Herbert Grönemeyer nuschelte seine offizielle Hymne des Umbruchs mit dem Refrain „Komm zur Ruhr“. Aber klang es nicht nach: Komm zur Ruh'? Brachte „Ruhr 2010“ keine Aufbruchstimmung?

Zum zehnjährigen Jubiläum lässt sich jedenfalls bilanzieren, dass sich feste Stützpfeiler der Tanzlandschaft im Ruhrgebiet entwickelt haben. Darunter zählt natürlich auch das bereits 2002 gegründete PACT Zollverein, wo in den letzten Jahren zahlreiche renommierte Choreografen und Tänzer auftraten.

Den Jahresauftakt 2020 übernimmt Phia Ménard, eine Künstlerin, die sich mit den Elementen auskennt. Eis, Wasser und Luft gehören zu den Ingredienzien ihrer Werke. Sprichwörtlich neuen Wind bringt Ménard zusammen mit der Compagnie Non Nova für ihre kindgerechte Performance auf die Bühne. In „L’après-midi d’un foehn“ lassen sie aufgeblasene Figuren flattern, die wie Tüten aussehen. Alles angetrieben von einem großen Gebläse, während zwischen den phantastischen Wirbelwinden eine Dirigentin den Klangteppich arrangiert.

Foto: Jean-Luc Beaujault

Denn leitmotivisch untermalt Claude Debussys Werk diese Choreografie von Ménard/Compagnie Non Nova. Und das klingt bereits im Titel an: Der französische Komponist ließ sich einst vom Dichter Stéphane Mallarmé zu einem seiner Hauptwerke inspirieren, das 1894 in Paris Uraufführung feierte: „Prélude à l’après-midi d’un faune“, zu Deutsch: „Vorspiel zum Nachmittag eines Faunes“.

Faun? Genau, jener altitalische Gott der Natur und des Waldes, der später als Beschützer der Bauern und Hirten sowie ihrer Äcker und ihres Viehs galt. Wer nicht dem Bildungsbürgertum entstammt, muss keine Bange vor der Bühnen-Adaption haben. Denn für diesen Choreografie-Nachmittag wurde ja der Faun gestrichen und durch ein zeitgemäßes, profanes Wort ersetzt: foehn? Der Google-Übersetzer spuckt folgende Übersetzung aus: Föhn.

Vom Gott zum Haartrockner? Luft durchströmt die marionettengleichen Tütenfiguren, was zu unerwarteten Begegnungen und Bewegungen führt, an denen das PACT-Publikum fantasievoll mitspinnen kann. Nicht nur für die Kleinsten geht es luftig ins Jubiläumsjahr von Ruhr 2010. Beim Tanz kommt an der Ruhr keiner zur Ruh'.

„L’après-midi d’un foehn“ | 25. & 26.1. je 15 Uhr | PACT Zollverein Essen | 0201 812 22 00

Benjamin Trilling

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

A Quiet Place 2

Lesen Sie dazu auch:

Zurück in den Ursumpf
Neues vom Tanz bei „tanz nrw 21“ – Festival 05/21

Wenn das Wesen aus der Hülle schlüpft
Reut Shemesh' „Cobra Blonde“ beim Auftakt von tanz nrw – Festival 05/21

Tanz allüberall
Festival tanz nrw für Ende April geplant – Bühne 03/21

Tanzende Geschichte
„Gymnastik“ von Ballet of Difference am Schauspiel Köln – Bühne 03/21

„Ich glaube an die Kraft des Theaters“
Choreograf Constantin Hochkeppel über Physical Theatre – Interview 03/21

Beats für Beethoven
Jörg Ritzenhoff und Cocoon Dance experimentieren mit Klassiker

Anziehung und Ausbruch
Overhead Project zeigt „Circular Vertigo“ im Live-Stream

Tanz.

Hier erscheint die Aufforderung!