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Käthe Kollwitz, Selbstbildnis, um 1888, Nachlass Marianne Fiedler
Bild: © Käthe Kollwitz Museum Köln

Wahrhaft echt und ungefärbt

13. Januar 2017

„Die Seele nach außen“ im Käthe Kollwitz Museum – Kunst 01/17

„Ich will wahrhaft echt und ungefärbt sein“, war der Anspruch, den die vielseitige Zeichnerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) an sich selbst und ihre Kunst stellte. Am 8. Juli wird ihr 150. Geburtstag gefeiert. Anlass für das Käthe Kollwitz Museum Köln, das Jubiläumsjahr mit der umfangreichen Ausstellung „Die Seele nach außen – Kollwitz in Selbstbildnissen“ zu beginnen. Höhepunkte sind zwei bedeutende Neuzugänge, die die Sammlung jüngst erwerben konnte: das erste gezeichnete Selbstbildnis der damals 22-jährigen Kunststudentin 1888 in München sowie ein Bronzeguss von 1937, mit dem die mittlerweile berühmte, aber auch vom Leben gezeichnete Künstlerin sich selbst portraitierte.


Museumsdirektorin Hannelore Fischer mit Neuerwerbung, Foto: Katja Sindemann

Museumsleiterin Hannelore Fischer erläutert den Hintergrund: „Die junge Käthe Schmidt und ihre Kommilitonin Marianne Fiedler zeichneten sich gegenseitig. Die Kollwitz-Biografen Yury und Sonya Winterberg entdeckten das Selbstbildnis neben anderen Zeichnungen in Fiedlers Nachlass auf einem Dachboden. Die Tuschezeichnung war 60 Jahre lang Wind und Wetter ausgesetzt, jedoch in hervorragendem Zustand. Ich habe persönlich ihre Echtheit überprüft. Sie wurde uns nun als Dauerleihgabe überlassen.“ Ähnlich abenteuerlich gestaltete sich der Erwerb der Bronzebüste. „Es gibt nur drei Bronzegüsse von Käthe Kollwitz. Wir hatten nur einen eher schlechten Abguss. In einer New Yorker Auktion wurde Ende 2016 die Plastik angeboten. Wir hatten das Glück, sie zu erwerben.“ Von choices nach dem Preis gefragt, schweigt sich Hannelore Fischer aus, meint aber, er sei niedrig gewesen. „Andere Sammlungen sind dankenswerterweise zurückgetreten, damit wir sie erwerben konnten.“

Kollwitz‘ Selbstbildnisse durch die Jahrzehnte hindurch zeigen ihre Entwicklung und Veränderung von einem schüchternen, geduckt wirkenden Mädchen über eine selbstbewusste, erfolgreiche Frau bis hin zu einer vom Tod ihres Sohnes und Enkels gezeichneten Alten. „Käthe Kollwitz hat ihre Eindrücke und Emotionen durch Tagebuchschreiben, aber auch in Selbstportraits verarbeitet. Sie hat intensiv in den Spiegel gesehen und ihren Zustand authentisch wiedergegeben“, so Museumsleiterin Fischer.

In der Ausstellung werden den Zeichnungen, Holzschnitten, Lithographien und Plastiken Portrait-Fotos der Künstlerin gegenübergestellt. „So wird der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung deutlich“, erläutert die Kunsthistorikerin. „Die Selbstbildnisse zeigen ihre Selbstreflexion, während Fotografen wie Hugo Erfurth oder Lotte Jacobi sie inszeniert haben.“ Zugleich gibt die Ausstellung Einblicke in die verschiedenen Lebensphasen von Kollwitz. Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war ihre Hochzeit mit Reisen nach Paris, aufstrebender Karriere und den Freuden einer glücklichen Mutter. Nach dem Tod ihres Sohnes Peter im Ersten Weltkrieg zeigt ein Blatt von 1915 ihr Gesicht verquollen, trostlos und leer. Anfang der 1920er Jahre zeichnete sie sich mit offenem, sinnlichem Blick: Sie war in den Wiener Buchhändler und Verleger Hugo Heller verliebt, mit dem sie lange Diskussionen, jedoch kein Verhältnis führte. Spätere Selbstbildnisse zeigen eine Frau mit Tränensäcken, Altersflecken und grimmen Blick: Ehemann Karl war in seine junge, lebhafte Sprechstundenhilfe vernarrt.

Das NS-Regime ließ Käthe Kollwitz zwar aufgrund ihres internationalen Renommees in Ruhe, sie konnte jedoch nicht mehr ausstellen und empfand sich als tot. In den 30er Jahren arbeitete sie am Zyklus „Tod“ – ihr Sohn Hans wäre fast an Diphterie gestorben, Gatte Karl starb 1940. Ihre letzte Zeichnung aus 1943 zeigt Kollwitz, wie sie ihr eigenes Grab gräbt. „Sie hat ihr Empfinden in Bilder umgesetzt, ihre Freude sowie ihr Mitleiden, der wichtigste Aspekt ihrer Arbeit“, fasst Hannelore Fischer zusammen. Auf unsere Frage, ob sich das neu aufgeflammte Interesse an den 20er und 30er Jahren auch in einem Kollwitz-Revival niederschlägt, antwortet sie: „Die Gästebuch-Einträge zeigen, dass in politisch schwierigen Situationen wie etwa dem Irak-Krieg oder der Kosovo-Krise Museumsbesucher ihre Kunst als aktuell erleben. Käthe Kollwitz hat sich immer um ein Verständnis des Menschen bemüht.“ Zur Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt, etwa eine Führung von Pater Werner Holter SJ, Rektor der Kunst-Station St. Peter, am 1.2. um 18.30 Uhr.

„Die Seele nach außen – Kollwitz in Selbstbildnissen“ | bis 22.2., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr | 0221 227 28 99

Katja Sindemann

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