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Schemenhaft spiegelt sich Rui Mizuki in seinem eigenen Bild

Fernbeziehung über 10.000 km Distanz

05. Juni 2013

Fotoprojekt zu 50 Jahre Freundschaft von Köln und Kyoto – Kunst in Köln

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft von Köln und Kyoto findet von Mai bis Oktober 2013 ein kulturvermittelndes Austauschprojekt statt. Die Fotografen Frank Dünzl aus Köln und Rui Mizuki aus Kyoto haben für einige Wochen ihre Heimat verlassen, um in der jeweiligen Partnerstadt zu arbeiten. Thema des Projektes ist „flowing Urbanity“ („fließende Urbanität“). Der Titel nimmt auf die Tatsache Bezug, dass sowohl Köln als auch Kyoto in Nord-Süd-Richtung von einem das Stadtleben dominierenden Fluss durchschnitten werden. Wie der Rhein durch Köln, so fließt durch das knapp 10.000 km von der Domstadt entfernte Kyoto der Kamo-gawa. Er ist seit jeher die Lebensader der 1,5 Millionen Einwohner großen Stadt, die auf der größten der vier japanischen Inseln, Honshu, liegt.

Bei einer Preview am 4. Juni im Ausstellungsraum ART68 auf dem Thürmchenswall konnte man sich schon einen Vorgeschmack auf die Ausstellung verschaffen, die dort vom 6. bis zum 27. Oktober zu sehen sein wird. Rui Mizuki, von Mitte Mai bis Mitte Juni in Köln und bei der Preview selbst anwesend, zeigte drei Fotoarbeiten und eine Bodeninstallation; von Frank Dünzl waren vier Vordrucke zu sehen, die dieser aus Kyoto geschickt hatte.

Frank Dünzl hat vier Arbeiten aus Kyoto nach Köln geschickt

Die Stile von Mizuki und Dünzl sind zwar sehr verschieden: Während Letzterer klassische Reise- und Reportageaufnahmen macht, sind die Arbeiten des Japaners sehr konzeptuell. Dennoch gibt es überraschende Gemeinsamkeiten, wie auch Andreas Hentrich, Initiator des Projektes und selbst Künstler, feststellt: Beide Fotografen rückten die Geschichte in den Fokus. Betrachtet man die Werke in dem großzügig geschnittenen Ausstellungsraum mit Industrie-Charme – früher war in der Halle eine Druckerei ansässig –, muss man dieser These zustimmen. So zeigt ein Foto von Frank Dünzl zum Beispiel eine vermeintlich typische Straße Kyotos, auf der zwei Geishas in voller Montur spazieren. Sie seien Bewohner eines Viertels, in dem diese traditionelle japanische Unterhaltungskunst noch lebendig sei, und das Bild nicht gestellt, erläutert Hentrich.

Auch auf dem zentralen Köln-Foto von Rui Mizuki ist die Vergangenheit präsent. Auf eine fünfzig Jahre alte Aufnahme der Ruine von St. Kolumba hat der Künstler ein Foto des modernen Museumsneubaus an derselben Stelle montiert. Noch darüber hat er eine halb durchsichtige, halb reflektierende Folie angebracht. Sie soll ebenso ein Tor in die sich stets wandelnde Geschichte sein wie mittels Spiegelung einen Bezug zum aktuellen Moment schaffen, verrät er. Außerdem sei eine spiegelnde Oberfläche immer auch mit Wasser assoziiert. Der Kreis um Motiv, Material und Thema wird von dem Künstler also in schöner Harmonie geschlossen.

Rui Mizuki (2. v. l.) und Initiator Andreas Hentrich (3. v. l.) mit dem Team von ART68 und zwei der Musiker

Angesichts der interessanten Arbeiten der Preview darf man sich auf die komplette Ausstellung im Oktober freuen, in deren Zuge am 20. Oktober auch ein Saxophonkonzert des Kölner Orkan Quartetts stattfindet. Für weitere musikalische Untermalung während der Ausstellung sorgt das Ambient-Projekt „Morphogenetische Felder“.

„Flowing Urbanity“ | 6.10.-27.10. | ART68 – Raum für Kunst und Kultur | www.flowing-urbanity.de

Text/Fotos: Moritz Pohl

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