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„Die Wellen der Nacht in meinem Gefieder“
Foto: © Stagemoments

Was ist hinter der Tür?

04. Dezember 2023

„Die Wellen der Nacht …“ in der Orangerie – Theater am Rhein 12/23

Noah schickte drei Vögel aus, um den Pegelstand der Sintflut zu testen. Einen Raben und zwei Tauben. In der Produktion „Die Wellen der Nacht in meinem Gefieder“ des Movingtheatre eröffnen die beiden Tauben den Abend, begleitet von der Off-Stimme Nicola Gründels, die als Botin schreckliche Nachrichten bringt: Es gibt nur noch Luft ohne Land, Milliarden von Leichen treiben im Wasser dahin, Kadaver, wohin man sieht.

Die biblische Geschichte wird zur Metapher für die Klimakatastrophe, zugleich aber begleitet sie eine düster-dunkle Szenerie des individuellen Sterbens. Verwischte Bilder einer Stadtszenerie (Video: Gregor Koppenburg) ziehen vorbei, die später in Bilder einsamer Landschaften überwechseln. An den Seiten hängen weiße Luftballons, in der Mitte steht ein Bett auf einem Podest, dessen Laken mit vier Seilen gespannt ist. Darauf liegt ein todkranker Mann (Thomas Hupfer), ein Sterbender vielleicht. Sein herumtänzelnder Partner (Achim Conrad) ist ganz in schwarz gekleidet, will singen – und ist vielleicht Sterbebegleiter oder sogar der Tod selbst. Aus dieser Konstellation entspinnt sich ein ambivalentes Spiel, dessen Rollen nicht so klar verteilt sind. Der Sterbende erweist sich durchaus bockig, lehnt das Lied und das angebotene Messer ab. Später nimmt er eine dunkle Maske vom Gesicht und erschreckt seinen Begleiter mit seinem vermutlich ekelerregenden Anblick. Zudem scheint er ein Reisender in eine andere Welt zu sein, die dem Begleiter offenbar verschlossen ist – oder allzu vertraut: „Wo sind Sie? Wie weit? Was ist hinter der Tür?“, fragt er immer wieder. Statusberichte des Sterbens.

Bevor der Abend allerdings vollends in Düsternis abgleitet, fügen Achim Conrad und Thomas Hupfer einen kurzen Radiodialog ein, in dem ein Moderator eine Anruferin zu Wort kommen lässt, die vehement für Sterbehilfe plädiert. Eine Szene mit einer Puppe, die eine Bluttransfusion bekommt, lässt die Atmosphäre noch einmal zurückschwingen, konterkariert allerdings durch farbenfrohe Tanz-Videos. Bis schließlich die krähende Stimme von Johannes Benecke in breitem Berlinerisch das Ende der Sintflut verkündet – und sich Ensemble und Zuschauer zu einem Umtrunk zusammenfinden. Ein bedrückender und bisweilen auch sehr hermetischer Abend 

Die Wellen der Nacht in meinem Gefieder | R: movingtheatre.de | 14. - 16.12. | Orangerie | 0221 952 27 09

Hans-Christoph Zimmermann

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