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Foto: Birgit Hupfeld

Höllenbrut im Schnee

08. Januar 2020

„Die Verdammten“ im Kölner Depot 1 – Theater am Rhein 01/20

Leise rieselt der Schnee im November 1938. Und lange passiert nichts auf der Bühne. Die dunkle winterliche Szenerie ist auch zu aufwendig schön, um das Böse, das in diesem Haus passieren wird, zu konterkarieren. Ein Raunen ging durchs Publikum, als der Vorhang sich hob. Dann kommt bedächtig Leben in den Wintergarten. Gespenster erheben sich aus dem Schnee, langsam wandert der alte Joachim von Essenbeck (Margot Gödrös) in die kalte Hölle, der muss für seine Stahlwerke, die im Hintergrund leuchten und dröhnen, neue Beziehungen knüpfen, wenn er auch die neuen Herrscher nicht goutiert, die mit einem übergroßen Hitler-Kinderportrait die Szenerie beherrschen. Böse kichert der Baron, schießt mit dem Gewehr in die Luft, ein Weberscher Adler fällt getroffen zu Boden. War das die berühmte letzte Freikugel? Müssen neue Waffen geschmiedet werden, um die Fima zu erhalten?

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis Film „Die Verdammten“ von 1969 im Depot 1 als hypertheatralische Reise durch die Götterdämmerung. Die Welt entflammt, die Höllenbrut hat die Oberfläche bereits erreicht, das intrigante Morden um die Macht der Waffenherstellung beginnt. So weit so gut, das Bühnenbild mit Winter-Wonderland und der umherschweifende Zombie-Chor dominieren alles, verwischen die Handlung, verschleppen hier und da die Szenerie, selbst Martin, der kleine Päderast mit Hang zur psychopathischen Gewalttätigkeit, muss erst einmal durch dieses eiskalte Fegefeuer, bevor ihn Obersturmbannführer von Aschenbach an die Spitze des kriegswichtigen Rüstungs-Konzerns intrigiert. Zuerst muss der liberale Herbert Thalmann, Vizepräsident der Stahlwerke, fliehen (seine Frau und Kinder kommen ins KZ), dann wird dem großkotzigen Natursektliebhaber Konstantin von Essenbeck, der einzige überlebende Sohn des Barons, seine Neigung zum Verhängnis. Auch Sophie von Essenbeck, Mutter von Martin und Geliebte von Aufsteiger Friedrich Bruckmann, wird ihr Ziel nicht erreichen. Das Böse ist immer und überall. Martin zwingt die beiden zur Heirat mit anschließendem Selbstmord. Kein Käuzchen schreit da mehr, Bezüge in die Gegenwart fehlen. Ja, den Aufstieg der brauen Brut kann man auch als physisches Figurentheater inszenieren, aber warum nur?

„Die Verdammten“ | R: Ersan Mondtag | 9., 25., 30.1. je 19.30 Uhr, 26.1. 16 Uhr | Schauspiel Köln | 0221 221 284 00

PETER ORTMANN

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