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Sabine Hack bei der Vernissage
Foto: Nina Rezagholinia

Am Anfang ist der Faden

23. April 2018

Sabine Hack in der Kulturkirche Ost – Kunst 04/18

Das seltsame Gefühl des Wiedererkennens, etwas schon einmal gesehen oder erlebt zu haben, liegt auf den Arbeiten, die seit vergangenem Freitag in der Kulturkirche Ost in Buchforst zu sehen sind. Die Ausstellung „Déjà-vu“ zeigt Gesichter, Zitate, Engelsflügel und immer wieder Hände – Sabine Hack spielt mit dem Bildgedächtnis ihres Publikums, unterwandert es subtil und übersetzt es in eine ganz eigene Sprache.

„Ich habe Malerei studiert. Aber es gibt Dinge, die kann man so nicht malen“, erklärt Hack vor dem Hintergrund ihrer Arbeit „Waiting for Humboldt“, einem gestickten Schimpansen auf leuchtend gelbem Stoff. Schwarze Fäden strecken sich vom Untergrund ab wie Fell.

Die Arbeiten, die die Künstlerin präsentiert, sind Stickereien auf unterschiedlichen Textilien und zitieren große Gemälde der Kunstgeschichte, bekannte Skulpturen, Denker und Komponisten. Der schulmeisterliche Zeigefinger aber bleibt aus. Ohne falsches Pathos, mit großer Leichtigkeit, fast spielerisch folgt sie den Spuren Leonardo da Vincis mit Nadel und Faden. Ihre Arbeit „Déjà-vu“ zeigt zwei elegante Hände auf grauem Stoff, freischwebend und skizzenhaft, ganz so als hielten sie sich fest an dem textilen Untergrund. Nicht von ungefähr wirken die Gesten altbekannt – ihr Vorbild ist Leonardos wohl berühmteste Handstudie.

„Haptik und Körperlichkeit lassen sich durch den Faden viel deutlicher ausdrücken, als allein Farbe das kann“, so Hack. Anstatt Leonardos Studie schlicht mit Bleistift auf Papier nachzuzeichnen, lässt die Künstlerin ihren Faden die Form umwandern, ohne Hektik und sehr bedacht. „Es ist ein konzentriertes Arbeiten, ich nehme mir Zeit.“ Bekannte Bildwelten werden so nicht nur in ein neues Medium überführt, sie gestalten sich darüber hinaus durch ihre stoffliche Greifbarkeit als nahbar und zeitgenössisch.

Während Sabine Hacks Beschäftigung mit altmeisterlichen Werken oft ein hohes Maß an Genauigkeit bedeutet, findet ihr Faden anderswo die Möglichkeit zum Ausbruch, windet sich freier und scheinbar wie von selbst, ganz ohne die führende Hand der Künstlerin. Im Kontrast zu „Déjà-vu“, nach Leonardos Studien, wirken ihre Stickereien in Arbeiten wie „Engel“, einem Zitat auf die Skulptur der Nike von Samothrake, durch ihre dezente Farbgebung beinahe ephemer. Zartes Rosa und Hellblau, umrahmt von Goldfaden, gestickt auf weißem Grund, erzählen in Hacks Interpretation von der Leichtigkeit des steinernen Flügels.

Ganz befreit und nahezu ohne Bindung an eine festgeschriebene Form schwebt die Arbeit „Medusae“ schillernd auf samtigem Schwarz, zieht Fäden nach sich, wie sich windende Tentakel durch den Stoff. Ein Astronaut verliert sich in „Freier Fall“ am Goldfaden in der Unendlichkeit.

Anja Pendzialek, Mitarbeiterin der GAG Immobilien AG und eine der Organisatorinnen des Programms der Kulturkirche Ost, eröffnete die Ausstellung zufrieden. Die Arbeit Hacks habe sie schon lange fasziniert, umso mehr freue sie sich über die Möglichkeit, die Ausstellung zu realisieren. Musikalisch Begleitet wurde die Vernissage durch Helmut Jäger, ehemaliger Organist und Chorleiter der Kulturkirche Ost, am Klavier. Melancholisch bis heiter unterstrichen Stücke, unter anderem von Erik Satie und George Gershwin, die Wirkung der Stickereien.

„Ich lasse los, ich lasse mich treiben“, las Sabine Hack aus ihrem Gedicht „Gedankensprünge“ – eine Einladung auch für Besucher das Gewirr des Alltags für einen Moment hinter sich zu lassen und in der Ausstellung einem neuen Faden zu folgen, der Bekanntes wie ein wunderbares Déjà-vu in neuem Kontext erleben lässt.

Nächste Veranstaltungen:
Do 26.4. 19 Uhr: Das Philosophische Café mit Markus Melchers | Fr 11.5. 19 Uhr: Bernd Delbrügge Band

Sabine Hack: Déjà-vu | bis 12.5. | Kulturkirche Ost, Köln-Buchforst | Besichtigung nach tel. Vereinbarung | 0221 20 113 73

Nina Rezagholinia

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